die katrin

my photography & other stuff

8. March 2010
by miss sophie
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Ich werde…

Ich werde rechtzeitig anfangen. Ich werde gesundes Essen einkaufen. Und essen. Ich werde meinen Perfektionismus im Keller einschließen. Oder besser entführen lassen und tief im Wald mit einem Stein erschlagen lassen. Ich werde die Basis stehen haben, bevor die Arbeit anmelde. Ich werde einen Zettel an die Wand hängen, auf dem die typischsten Fehler ausgemerzt sind. Ich werde meine erste sinnvolle Gliederung beibehalten und keinen Millimeter davon abrücken. Ich werde regelmäßig an den Texten sitzen. Ich werde mein Gehirn ausschalten und schreiben, schreiben, schreiben…



HAAHAAARR!!!
MUUUAAAAAAAHHHHAAAAAHHH!!!!!

Well… Das mit dem Essen könnte klappen. Wenn Mitbewohner V. und Mitbewohnerin H. dann immer noch hier sind.

(Mitbewohnerin H. hat gerade auf den letzten Drücker ihre Abschlussarbeit fertig gestellt. Ihr glaubt gar nicht, was man in einer Woche… ach was red ich, in 3 Tagen auf die Beine stellen kann. Aber die Nerven! Die Nerven!)

7. March 2010
by miss sophie
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Herzblut.

Mit Herzblut schreiben. Es geht nicht immer. Kann nicht immer gehen. Das Herz muss bluten. Zumindest an einer Stelle tröpfeln. Wir laben uns an dem Blut, das uns das Gefühl der Wahrhaftigkeit gibt. Der Schmerz, das Dunkle. Es ist ein Teil des Ganzen.
Doch wie viele von uns versuchen, das kleine Loch zu stopfen? Die Reißnähte, sie sollen zuwachsen. Eine Kruste soll sich über alles legen. Ist sie einmal da, versiegt der Quell. Lenkt das Blut in andere Bahnen.
Auf der Suche nach dem Glück schwören wir uns, die Kruste nie ganz zuwachsen zu lassen. Der stete Tropfen soll bei uns bleiben. Uns immer erinnern.
Dann vergehen Tage und Wochen, in denen die Kruste zuwächst. Es ist gut so. Die eigene Aufmerksamkeit fährt an anderen Orten Achterbahn. Das ständige Laben hat uns müde gemacht und nun ist an der Zeit, Kraft zu tanken. Das Vergessen setzt ein.
Doch an der Kruste quellt das Blut entlang. Bäumt sich auf. Will heraus. Zerstört das Gewebe. Wir erkennen den Ernst der Lage nicht. Schicken jemand anderes mit einem Pflaster vorbei. Die Achterbahnfahrt ist viel zu spannend. Das Erinnern will sich partout nicht einstellen.
Das Pflaster hält nicht. Natürlich nicht. Die Kruste bricht auf. Ein ums andere Mal. Und der Kreislauf schließt sich.

6. March 2010
by miss sophie
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Und dazwischen leben.

Sich von außen beobachten, bei dem was man tut. Ein Außen, das nie ein Außen sein wird. Es ist ein anderes Plateau im Innen. Fest verknüpft, mit dem, was da gerade passiert. Es kann beobachten. Es kann einschätzen. Es sieht die Optionen. Manchmal ja. Manchmal nein. Ein Eingreifen ist möglich. So sagt man. Das Veto des eigenen Innen. Aber die elektrischen Impulse gewinnen. Freier Wille. Ja, da war was. Aber die Philosophen kratzen an den falschen Begriffen. Werden zu keinem Ergebnis kommen, wenn sie weiter im Dunstkreis der Vernunft bleiben und den Wahnsinn als Wahnsinn ablehnen. Er ist ein Teil unser aller. Wir verpacken ihn sorgsam in kleinen Päckchen. Verstauen sie unter unseren Betten. Oder besser noch unten im Schrank hinten links. Hinter den alten Fotos. Bis ein Erdbeben alles hervorholt. Offen legt. Bloß stellt. Dann beginnt der Weg von vorne. Alles einsammeln. Wieder sorgsam verpacken. Schleifchen drum. Ab in die hintere Schrankecke. Bis zum nächsten Erdbeben. Und dazwischen leben.

5. March 2010
by miss sophie
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Höhlenmalerei.

Es fing an … Nein. Es fing mit gar nichts an. Jahrelang bin ich an dem Motiv vorbeigefahren und habe es höchstens passiv wahrgenommen. Die Kaffeetasse an dem Bürogebäude Otto-Braun-Straße/Karl-Marx-Allee – sichtbar, wenn man von der Otto-Braun-Straße Richtung Alex fährt – war für mich immer ein Teil alter DDR-Gebäudekultur. So wie auch das Tape auf dem Dach Greifswalder/Am Friedrichshain. Mit blutet jetzt schon das Herz, wenn diese Dinge eines Tages verschwunden sein werden.
Dann starrte ich eine Weile auf meine weißen Wände und wusste, da muss irgendwas rauf, was nicht aus bedrucktem Papier ist. Oder ist mir erst die Kaffeetasse aufgefallen, und ich wollte sie dringend in überpostergroß an meiner Wand haben? Erst sollte sie samt Bürogebäude an die Wand. Aber die vielen kleinen Details haben mich wahnsinnig gemacht. Ich zeichne selten. Meine zu Schulzeiten geweckten Proportionsfähigkeiten haben schon vor langer Zeit ihren Weg über den Hades angetreten. Irgendwas in mir war zu unruhig, stundenlang Fensterreihe um Fensterreihe zu zeichnen. Das Bild per Beamer an die Wand werfen? Eine veritable Idee. Doch in den ersten Entwürfen ist das Gebäude immer größer und wuchtiger als die Kaffeetasse gewesen. Stand immer im Vordergrund. So, wie es nicht sein sollte. Irgendwas sperrte sich in mir dagegen.
Dann ist das Gebäude aus meinen geistigen Bildern verschwunden. Geblieben ist die Tasse mit ihrem Kaffeedunst. Entstanden ist das hier.

Das Foto auf dem Rechner. Die ersten Entwürfe auf A4. Später immer größer entwerfen. Eine liebe Freundin brachte mich auf die Idee, mit Rastern die Proportionen beizubehalten. (Remember, i had no fucking idea what i was doing there.) Die Bleistiftzeichnungen liefen super. Striche. Flächen. Wischen. Hier etwas stärker. Dort etwas schwacher. Erinnerungen an den Kunstunterricht wurden wach.

kaffeetasse - der zweite entwurf a4

Der erste Versuch in groß und auf dem Boden. Auf einem alten Poster. Berlinova 2004, wir hatten eine grandiose Zeit! Himmel, was hab ich mir die Kniee wundgetanzt Sonnabendnacht. Ich bin mir sicher, auf dem Weg zum Zelt wurde ich kurzzeitig durch mein 80-jähriges Ich ersetzt, das aus der Zukunft gekommen ist, um nochmal die nächtliche Festivalluft zu schnuppern.

kaffeetasse - der dritte entwurf poster

Jetzt also Poster auf den Boden und die Tasse das erste Mal in groß gezeichnet. Was für ein Unterschied. Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass die beste Zeichnung der zweite Entwurf in A4 sein wird. Rauhfasertapete ist einfach was anderes. Groß ist einfach was anderes. Dazwischen nochmal ein Poster an die Wand gehängt, um das aufrechte Zeichnen zu üben.

Benutzt habe ich Cretacolor Künstlerminen, Graphit und Reißkohle, fürs Vorzeichnen und die Ränder sowie Rembrandt Pastellkreide für die Flächen, den Kaffeedunst und zum Verwischen.

kaffeetasse - die kreide

Und hierdrauf schaue ich nun, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze:

kaffeetasse - das ergebnis

5. March 2010
by miss sophie
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Ab wann beginnt schriftliche Kommunikation?

Diese Frage brachte neulich jemanden hierher. Und es ist eine interessante Frage.
Von wo aus ist diese Frage gedacht? Aus der Perspektive des Mündlichen? In der Unterscheidung von Schrift und kommunizierender Schrift?
Der Unterschied zwischen dem Mündlichen und dem Schriftlichen ist eigentlich recht schnell gefunden. Das eine kommt als Schallwelle aus unseren Hälsen – wahrnehmbar mit dem Ohr. Das andere materialisiert sich in graphischen Formen – wahrnehmbar mit den Augen oder Händen. (Was es hier mit der Physik auf sich hat … Auch irgendwas mit Wellen. Aber sonst?)
Und in der Sphäre des visuell und/oder haptisch Wahrnehmbaren. Schrift ist immer schon Zeichen. Sind graphische Formen schon Zeichen? Intuitiv würde ich sagen: ja. Physisches Material wird dann zum Zeichen, wenn mindestens einer der Beteiligten (Sender/Empfänger) mindestens den Versuch startet, Sinn bzw. Semantik an physisches Material heranzutragen. Aber reicht schon der Versuch? Was passiert, wenn Empfänger A scheitert. Wenn der Versuch scheitert, ein irgendwie halbwegs konsistentes semantisches Konzept an ein physisches Material heranzutragen – Sinn zu entdecken – Verknüpfungen zu bilden – Netze zu knüpfen. Und was ist, wenn Empfänger B dies schafft?
Aber zurück zu den graphischen Formen und ihrer Zeichenhaftigkeit. Bei graphischen Formen fallen mir neben Buchstaben, Zahlen, Sonderzeichen als nächstes Formen im Kontext von Kunst ein. Das ist Zeichen. Schon allein, weil wir das Postulat der Zeichenhaftigkeit an die Formen herantragen. Unabhängig davon, ob wir individuell eine Bedeutung erstellen können.
Aber was ist mit dem Karomuster auf meiner Gardine? Form, ja. Aber Graphische Form = Zeichen? Hmmm…

Schrift ist immer schon Zeichen. Und damit auch gleich schon Kommunikation? Ja, denn sie wird verwendet, um etwas auszudrücken. Egal, wie banal. Egal, ob da ein konkreter Empfänger mitgedacht wird. Oder ist Kommunikation doch erst dann da, wenn ein Sender und ein Empfänger sich der dazwischenliegenden Botschaft nähern?

4. March 2010
by miss sophie
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Und am Ende bleibt jeder allein mit seiner Schuld.

Übelkeit.
Hass.
Schmerz.
Lautes Rausschreien.
Die Gewaltphantasien in Hochprozentigem ertränkt.
Ungläubiges Nichtbegreifenwollen.
In langen Bahnen gegen das Mitleid ankämpfen.
Unnötig das.
Leidtun braucht es niemanden außer zweien.
Reue.
Alternativen.
Der Schlag in die Magengrube, wenn die Gewissheit wieder Hallo sagt.
Strohhälme.
Ich ergreife sie.
Herzhaft ist anders.
Beim Fall vom hohen moralischen Ross zugesehen.
An mir exerziert.
Es könnte Genugtuung geben.
Es hilft nur für die Maskierung.
Die Sorge.
Immer noch da.
Egalsein ist das Ziel.
Ist es nicht.
Ist es doch.
Nein.
Vielleicht.
Am Ende bleibt jeder allein mit seiner Schuld.
Und mit dem, wofür es keine Schuldigen gibt.