die katrin

my photography & other stuff

26. December 2009
by miss sophie
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Haste dich eigentlich verändert?

Die Frage geht mir seit einigen Tagen durch den Kopf. Die Ein-Satz-Antwort lautet: Nee, nicht verändert, eher zurechtkorrigiert. Ich glaube, ich bin mit 28 zu alt und war mit 5 Monaten viel zu kurz in Indien, damit das irgendwie meinen Charakter oder meine Persönlichkeit grundlegend verändert haben könnte. Aber in wichtigen Teilen hat meine Zeit dort mein Verhalten hier wieder in alte Bahnen zurück gebracht. Ich habe angefangen, hier spießige Ansichten zu übernehmen. Zum Beispiel Fahrradfahrer, die auf der linken Seite fahren. Was konnte ich mich darüber aufregen. Gemeinsames Miteinander. Geht nur mit Regeln/Konventionen. blablabla. In einer Stadt mit mind. 15 Mio. Einwohnern, deren Infrastruktur unter Menschen und Autos täglich an Grenzen gebracht wird, macht es schlicht keinen Sinn, sich über derlei Kleinkram aufzuregen.

Die Menschen mehr sein lassen, machen lassen. Das, was ich und was wir alle wollen und als Grundsatz des gegenseitigen Miteinanders als Theorieplakette vor uns her tragen. Das auch wieder in der Praxis ausleben.

17. December 2009
by miss sophie
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!

Meine Finger bewegten sich über und auf der Tastatur, und wenn es klackte, wußte ich, es ist Zeit, daß ich mir die Nägel schneide.

Feridun Zaimoglu. Zwölf Gramm Glück.

14. December 2009
by miss sophie
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“Du weißt, du bist in Indien angekommen, wenn” die 392ste: der Motorradunfall.

Da wurde mir für die Rückreise von Goa nach Delhi noch ein “painless return” gewünscht, was sich mehr auf Probleme im Allgemeinen bezog, war meine Bangalore-Reise doch an einigen Stellen extreme pain in the ass, und dann sowas.

Freitag nacht halb zwölf. Ein Freund mit Motorrad holt mich vom Flughafen ab. Wir fahren los. Erstmal in die komplett falsche Richtung. Das ist bei nächtlichen und dezent nasskalten 10°C unangenehm, aber nicht weiter tragisch. Man(n) fragt sich so durch, fährt diverse Strecken durch die Residenzen der indischen Armee (Atmosphäre nachts: still, wenige beleuchtete Häuser, wer einen Menschen auf der Straße trifft, darf sich freuen und den Moment im Kalender markieren). Irgendwann geht’s von der kleinen Seitenstraße auf die größere, zweispurige Hauptstraße. Gas geben auf der linken Spur bis irgendwann Platz ist, um auf die rechte zu wechseln. Das war der Plan. Dann kam ein Auto. Auf unserer linken Spur. Mit zu hoher Geschwindigkeit, weil der Depp von betrunkenem Fahrer grade mal noch fix jemand anderen überholen musste und nicht mehr abschätzen konnte, dass der Platz zwischen uns und dem zu überholenden Auto nicht mehr groß genug war. Also streifte (striff? egak.) er uns am Hinterteil, wir kommen ins Schlingern und, da grade am Gas geben, schlingert’s noch ein bisschen mehr, bis die Maschine dann zur Seite rutscht und wir auf der Straße liegen.

Bei mir lief in den Sekunden ungefähr folgendes ab: Das Auto streift uns. Ich spüre nur, dass da irgendwas ist und dass da irgendwas schief läuft. Sehen kann ich nix, weil ich meinen Rucksack auf dem Rücken hab, der mich um halbe Kopflänge überragt. Ich habe nur die Gewissheit (wo auch immer die in dem Moment herkam), dass wir dann jetzt mal fallen werden. (“stürzen” ist ein anderes Wort, das mensch hier verwenden könnte, aber irgendwie hat das nicht den richtigen Klang.) Den 1,50m langen Weg nach unten hab ich nicht mitbekommen, das ging zu schnell. Als nächstes das Wissen, dass ich auf dem Boden liege. Kurze Schreckstarre ohne Bewegung, aber dennoch mit der Gewissheit, dass ich mich bewegen kann und dann jetzt auch mal aufstehen und von der Straße verschwinden könnte. Trotzdem ging mir in dieser Sekunde der Gedanke durch den Kopf: “Ok, das ging gut und jetzt, wusch, fährt ein Auto über mich rüber.” Ich glaube, ich habe zu viele Filme gesehen. Dann erschreckte Rufe. Irgendwer nimmt meinen Rucksack. Ich wehre alle Hilfe beim Aufstehen ab und wanke zum Bürgersteig. Dann sitzen wir beide auf dem Bürgersteig und versichern uns gegenseitig und den Umstehenden, dass wir leben und soweit alles in Ordnung ist. Nur der Fuß (beim Freund/Fahrer) und das Bein (bei mir) schmerzen. Alles gut soweit. Keine Kopfschmerzen. Selbst meine Brille hat keinen Kratzer abbekommen. Ist mir noch nichtmal von der Nase gerutscht. Mein Riesenrucksack hat einfach alles abgefedert. Weitere 3 Sekunden später der nächste Schreck und dezente Panik: mein Laptop. Aber auch ihm ist nichts passiert. Weiß der Geier, welche Sternkonstellation das nun wieder alles möglich gemacht hat.

Was bleibt, ist eine Monsterhämatom, das ungefähr drei Viertel meines rechten Unterschenkels einnimmt, dummerweise auch in der Kniekehle entlang läuft, daher das Laufen etwas schwierig macht, bei jeder Berührung extremst unangenehm schmerzt und vermutlich noch in den nächsten zwei Monaten zu sehen ist.

Was noch bleibt, ist die Erfahrung, Teil eines indischen Unfallortes gewesen zu sein. Als ich irgendwann wieder klar denken konnte, sah ich bestimmt 10 Menschen, 3 Motorräder, 1 Autorikshaw und 3 Autos um uns rum stehen. Alle redeten mit- und gegeneinander und klärten, was jetzt eigentlich passiert ist. Der Verursacher des Unfalls hatte auch angehalten. Immerhin. Wie wir im Nachhinein erfuhren, hatte sein Beifahrer ihm im ersten Moment nämlich geraten, einfach los- und wegzufahren. In dieser Gegen mit den leeren Straßen kein großes Problem. Aber er hielt und seine Freunde kümmerten sich dann auch darum, uns erst ins Krankenhaus und später nach Hause zu bringen. Am Unfallort selber stellte sich dann also raus, dass der Fahrer zu knapp und zu schnell überholt hatte und dass das vor allem nicht das erste knappe Überholmanöver dieser Art war. Er war auf seinem Weg bereits bei einigen anderen in Ungnade gefallen. Diese Leute nutzten nun die Gelegenheit und haben ihn gleich mal für seinen gesamten Fahrstil zur Sau gemacht. Das ganze Rumgeschreie hatte durchaus eine komische Note. Das Schmunzeln habe ich mir aber dennoch verkniffen.

Wofür das jetzt alles gut war, weiß ich aber immer noch nicht.

8. December 2009
by miss sophie
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Ich hatte ja keine Ahnung.

In Delhi (Nordindien) hat der Tag derzeit 20-24°C. In Bangalore (Südindien) sind es derzeit rund 25°C am Tag. Denkt sich klein-sophie also: Na dann werden’s wohl in Goa (Mittelindien) ebenfalls so 25°C sein. Jetzt sitz ich hier in der Mittagssonne und fühle mich wie Gregor Samsa. 35°C. Die Mittagshitze brennt wie Hölle. Der indische Ozean hat an unserem Strand gefühlte 22°C Wassertemperatur – selbst der Hotelpool ist kälter.

file under: Es tut mir leid, dass ich mein Glück grade auf allen Kanälen raushängen lasse, aber… FUCKING 35 °C UND ICH BIN AM INDISCHEN OZEAN!!!1!!1einself!!!

Und da sind mir selbst die Mallorca-ähnlichen Zustände im Ortszentrum und in den Kneipen schnurzpiepegal. Die übrigens damit zusammenhängen, dass es in Goa keine Steuer auf Alkohol gibt. Das nenn ich mal WTF!!!-Wirtschaftspolitik.

4. December 2009
by miss sophie
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Aus der Reihe “ungewöhnliche Mülleimer”: der Baumstumpf.

Die haben wirklich Humor, die Inder. Wobei da ein handfestes Prinzip dahinter stecken dürfte: Aufmerksamkeit erwecken und Gewohnheiten ändern. Der Inder an und für sich ist es eher gewohnt, seinen Müll einfach an Ort und Stelle fallen zu lassen. Eine Müllabfuhr, die regelmäßig die in der Gegend rumstehenden und -hängenden öffentlichen Mülleimer und Papierkörbe leert, ist hier offenbar gerade erst im Entstehen. In den vergangenen 4 Monaten habe ich vielleicht 2 oder 3 große Müllabfuhrwagen gesehen. Viel häufiger hingegen Menschen, die mit einem weißen Plastiksack behangen durch die Straßen laufen und nach noch irgendwie Brauchbarem suchen, z.B. weggeworfene Plastikflaschen. Wie der Rest des nun wirklich unbrauchbaren Mülls verschwindet, habe ich noch nicht gesehen. Nur, wie er von Menschen zu Fuß und mit einem Besen bewaffnet zusammengekehrt wird.
Die häusliche Müllabfuhr verläuft ebenfalls informell. Bei uns in Delhi kommt morgens kurz nach acht ein Mann mit großem, weißem Plastiksack und sammelt ein, was vor der Haustür steht. Das landet dann auf einem Fahrradanhänger und verschwindet. Vermutlich im Slum an der nächsten Straßenecke, denn dort stapeln sich die weißen Plastiksäcke auf den Dächern der Wellblechhütten.
Mehr und ausführlicheres zum Thema gibt bei suedasien.info: “Unentbehrlich und doch verachtet

LalBagh Botanical Gardens, Bangalore

LalBagh Botanical Gardens, Bangalore

3. December 2009
by miss sophie
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Neulich in Amritsar.

Am Bahnhof.

Am Bahnhof.


traffic amritsar
yahoo om strauch
amritsar guest house
Hausengel.

Hausengel.


An der Grenze. Vorne die indische Tribüne. Hinten (der weiße Fleck) die pakistanische Tribüne.

An der Grenze. Vorne die indische Tribüne. Hinten (der weiße Fleck) die pakistanische Tribüne.


Photographing me, photographing you.

Photographing me, photographing you.


Hund auf dem Bahnhof New Delhi.

Hund auf dem Bahnhof New Delhi.

2. December 2009
by miss sophie
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Einmal aufsaugen und ausspucken, bitte. Danke.

Ich hätte jedes Recht der Welt, Bangalore ausgiebigst und bis zum Ende dieser Tage zu hassen für das, was es mir in den ersten 24 Stunden angetan hat. Nun sieht’s aber folgendermaßen aus: Ich liebe diese Stadt. Tradition, Kultur und Moderne gehen hier (auf den ersten touristischen Blick) scheinbar nahtlos ineinander über. Was nicht heißt, dass Bangalore nicht auch genügend Probleme hätte. Aber ähnlich wie in Jaipur habe ich hier auch wieder das Gefühl, dass die meisten Menschen recht glücklich sind in dieser Stadt und gerne hier leben. Und das zeigt sich nach außen. An den Häusern. An langen, langen Wänden entlang von Straßen, die mit wunderschönen Gemälden gestaltet sind. An Leben auf der Straße.

Mein Plan für die nächsten Tage: Bilder für meine Eindrücke sprechen lassen. Hier ein kleiner Anfang.

Buchladen in der Church Street.

Buchladen in der Church Street.


yes, that's a garbage can

yes, that's a garbage can


IMG_1829
opera gruen
opera aufgang
Rabe auf der Treppe zum Opera House

Rabe auf der Treppe zum Opera House