die katrin

my photography & other stuff

12. August 2007
by miss sophie
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the times, they are a changing

Lange Zeit sah sie sich selbst immer ein bisschen außenstehend. Sie hatte Freunde, verbrachte ihre Nachmittage mit ihnen. In der Schule hatte sie immer eine Gruppe, zu der sie gehörte. Aber es waren nicht die Menschen, mit denen sie eigentlich zusammen sein wollte. Es waren nicht die Menschen, die ihre Interessen teilten. Doch zu den anderen fand sie keinen rechten Zugang. Immer ein bisschen außen, immer ein bisschen danebenstehend, lernte sie zu beobachten. Die Menschen in der Vielfalt ihrer emotionalen und sozialen Knotenpunkte zu sehen. Stellte für sich fest, dass sie damit häufig richtig lag.

Später traf sie auf andere Menschen, die eine ähnliche Geschichte hatten. Die aus der Position ihres Lebens heraus das Beobachten gelernt haben. Sie tauschte sich aus. Stellte, nicht mehr nur für sich, fest, dass sie mit ihren Beobachtungen häufig richtig lag. Führte viele Gespräche. Gespräche, in denen sie anderen half, sich selbst zu verstehen. Zu oft vielleicht.

Immer noch stand sie außerhalb. Die Menschen um sie herum mochten sie. Sie aber wollte immer noch eigentlich mit anderen Menschen zusammensein. Menschen, zu denen sie keinen rechten Zugang fand. Sie begriff irgendwann, dass sie sich selbst ins Aus stellte.

Irgendwann war der Punkt erreicht, als sie sich den Menschen zuwandte, die um sie herum sind. Menschen, die sie gern haben und die sie gern hat. Das Beobachten ist einem Handeln, einem Sein inmitten anderer gewichen. Das Beobachten anderer in der Vielfalt ihrer emotionalen und sozialen Knotenpunkte fällt ihr leicht. Das Beobachten ihrer selbst in der Vielfalt ihrer emotionalen und sozialen Knotenpunkte ist schwerer. Das Sein inmitten anderer macht sie antastbar. Sie hat ihren Beobachterposten verlassen, die Rüstung abgelegt. Ihr Handeln ist nicht mehr das bisschen, das der Beobachtung folgt. Ihr Handeln liegt jetzt vor der Beobachtung. Vor der Beobachtung ihrer selbst. Vor den Fehlern, die sie macht.

Sie hat sich immer gewünscht, weise zu handeln. Doch es hat einen guten Grund, dass diese weise Menschen in den Geschichten immer auch alte Menschen sind. Menschen, die ein ganzes Leben hinter sich haben. Die unzählige andere Menschen getroffen haben. Die unzählige Situationen im Leben hinter sich haben. Und daraus gelernt haben. Sie steht am Anfang des Seins inmitten anderer.

11. August 2007
by miss sophie
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Liverpool07 – the little things

Ein Traum auf Erden, gesehen im Duty-Free-Shop des Flughafens Schönefeld: die 10er-Packung Golden Virginia-Tabak. Dem steht nur wenig nach, dass beim Tabakstand im Tesco-Supermarkt 5 (in Worten: fünf) Reihen Golden Virginia dargeboten wurden. Darunter 2 Reihen Cutter’s Choice, mein Ausweichtabak, wenn den GV mal nicht gibt. This land is made for me.

Am Flughafen SXF auf dem Damenklo: Zahnbürste inkl. Pasta im praktischen Plastikaufbewahrungsbehältnis am Automaten für EUR 1.00.
Am Flughafen EMA beim Gepäckband: the chewable toothbrush. Kaugummi für wahlweise EUR 1.00 oder GBP 1.00 (entspricht EUR 1.50).

Obst, einzeln in der Auslage dargeboten, hat jetzt einen Namen: fruit to go.

Die erste Zeitschrift, die mir am Flughafen von Nottingham ins Auge fällt, ist Horse & Hound.

Die Buslinie, die uns von und zum Flughafen bringt, hat die Liniennr. 240. Wie der Bus, der bei uns zu Hause lang fährt.

Nach dem wait’n’go-Spiel der Anreise heißt’s direktamente am Busbhanhof in Liverpool Kaffee trinken. Es ist 10am. Es fühlt sich an wie 5pm. “Erstmal den Jetlag begießen.” (soothe)

save water – drink beer

Mein Notizblock ist kein adäquater Ersatz für meinen Blog. Das mit dem Schreiben dauert viel zu lange.

shirts

Traute Harmonie einte die Gedanken meiner reizenden Urlaubsbegleitung und mir. Irgendwann brauchten wir eigentlich gar nichts mehr sagen. War ja eh klar, was die andere dachte.

pillow fight league – fight like girls

Mit hundsgemeinem Schulenglisch kommt mensch hier keinen Meter weit. Das Wort “hunter” spreche ich /hant∂/ aus. Nach Nichtverstehen und Buchstabieren folgt ein erleuchtetes “oh, /hunt∂/”. Stolz sind sie hier auf jeden Fall auf ihren Dialekt.

Das Tafelsalz hatte freien Auslauf.

McFlurry gibt es in der diy-Variante. Das Gerät zum Flurren wird den Mitarbeitern gar nicht erst aufgebürdet.

Ich habe noch nie soviele Menschen in Fußballtrikots auf der Straße gesehen. Jeden Tag. Nicht nur am Sonntag, als der LFC gespielt hat. Ganze Familien sind hier in Rot-Weiß gehüllt. Stunning.

Moonboots haben hier auch im Sommer Hochkonjunktur.

For your safety: Die Polizei bewacht den Flughafen EMA mit Maschinengewehren und kleidet seine Mitarbeiter auch sonst eher wie Soldaten.

peach cigarette

Ordentliche Papers in Liverpool zu erstehen, ist gar nicht so einfach. Es gibt nur eine Marke: Rizla. Die in 4 Varianten. Ich habe 3 probiert. Darunter likörgeschwängerte Papers in edlem Braun. Schlussendlich, nämlich am letzten Tag, stolperten wir über einen Krimskrams-Headshop-Kombi-Laden. Dort gab es gleich die abenteuerlichsten Varianten aller möglichen Papersorten. Highland, die Joints in Übergröße ermöglichen. Papers mit Honig-, Schokoladen-, Bananen-, Waldfrucht oder Cola-Geschmack. Ich erstand eine Packung Pfirsichpapers. Die Zigarette sieht dann so aus.

In ähnlichem Design laufen die Frauen durchs Liverpooler City Centre. Keine Angst vor großen, auffälligen Motiven und aufwändigen Frisuren. Again stunning. Wer kein Trikot des LFC trägt, ist im Stil der 60er und 70er unterwegs. Sehr schön anzuschauen.

Der Umgang mit der eigenen Vergangenheit ist ein wenig, nun ja, kritisch zu betrachten. Auf der Sightseeing-Tour wurde schamlos, mit vollem Stolz und relativierende Worte davon erzählt, wie wohltuend der Sklavenhandel beim Wachsen und Gedeihen der Stadt Liverpool im 17. Jahrhundert beigetragen hat. Wie gut, dass Amazing Grace grade auf Platz 1 der DVD-Charts steht, die Geschichte des William Wilberforce, der in England gegen die Sklaverei kämpfte.

Als ich bei Oxfam am CD-Regal stand, wusste ich wieder, wofür ich dieses Land so liebe. Neben dem üblichen Schrott, der in Gebrauchtregalen immer zu finden ist, standen sie, die kleinen Perlen des britischen 90er-Indiepop. Eine Bluetones-Maxi. Gleich 2 Del Amitri-Alben. Gekauft habe ich die das Homegrown-Album von Dodgy. Meine Sympathie für diese Band habe ich ja bereits an anderer Stelle zum Ausdruck gebracht.

11. August 2007
by miss sophie
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Liverpool07 – die Pubs III

Unser letzter Abend führte uns ins Cavern District, der eigentlich nur aus der Matthew Street besteht. In der Matthew Street ist der Cavern Club angesiedelt, der Klub, in dem die Beatles unzählige Male aufgetreten sind und der als das Herz des Mersey-Beat gilt. Gegenüber dem Club ist der Cavern Pub. Winziges Ding in einem Keller der Matthew Street. Überall an den Wänden sind Devotionalien der Vergangenheit. Auf der Bühne steht ein alternder Gitarrist, der vorzugsweise Blues- und Rockklassiker covert. Nach wenigen Minuten beschlich mich der Gedanke, dass dieser Pub – zumindest an diesem Abend – eigentlich nur von seiner Vergangenheit lebt. Ich möchte bezweifeln, dass außer den beiden Tresenkräften auch nur ein einziger Liverpudlian zugegen war. Die anderen Gäste hatten Spaß. Wir nicht. Das Bier war trotzdem lecker und das mit dem Trinkgeld hat an diesem Abend auch endlich geklappt.

11. August 2007
by miss sophie
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Liverpool07 – die Pubs II

Abends darauf sollte der Abend der Gegensätze werden. Um die Ecke von unserem Hostel ist die Liverpooler Philharmonie gelegen und zu diesem ‘gehören’ die Philharmonic Dining Rooms. Klingt Edel. War´s auch. Der Pub ist bekannt für seine Männerklos, die in außergewöhnlichem Design daherkommen. Einem unserer Hostelkollegen wurden sie gar als Weltkulturerbe angespriesen. (Mit Fotos kann ich leider nicht dienen, sorry.) Der Pub insgesamt ist sehr groß, sehr schick und passend zum Hochkultur-Publikum eingrichtet. Viele, in dunklem Leder gehaltene Sessel. Raffaelitische Bilder an den Wänden. Das Carling trotz alledem immer noch günstig – für englische Verhältnisse und eigentlich auch für Berliner Relationen. Das mit dem Trinkgeld hatten wir immer noch nicht so ganz raus. Doch nach einem verhaltenen “Thank you” der Tresenkraft dämmerte es, dass wir da doch drauf achten könnten. Vorher informieren? Ach iwo.

Direkt im Anschluss: Saloon Mo’s. Auf dem Weg ins City Centre kamen wir jeden Tag dran vorbei. Meine reizende Urlaubsbegleitung – nennen wir sie soothe – soothe also wünschte sich nichts sehnlicher, als einen Abend dort zu verbringen. Ich sagte, dazu müsste sie mich vorher mit mindestens 2 Bier abfüllen, vorher betrete ich den Laden nicht. Nach dem edlen Carling und einem bereits zum Abendessen gereichten Carlsberg war es also soweit. Im Erdgeschoss eines billigen Neubaumehrzweckgebäudes (mit Muckibude im Obergeschoss) gelegen, begrüßten uns am Eingang stiernackige Engländer, die ihre Zigarette genossen. Seit dem 1.7. ist das Rauchen in sämtlichen und ausnahmslos allen öffentlichen Einrichtungen verboten. Btw, ein kleiner Vorgeschmack auf das, was da in Good ol’ Germany kommen wird.
Rein in Saloon Mo’s. Gleich am Eingang war es brechend voll. In der Mitte des Raumes eine Tanzfläche, die von einer Runde Frauen mittleren Alters bevölkert wurde. Mutmaßlicherweise Arbeitskolleginnen, die sich einen schönen Abend gemacht haben. Alle in buntes Abendkleid gehüllt. Die Schuhe in die Mitte geworfen, tanzten und sangen sie fröhlich ud reichlich betrunken vor sich hin, als gäb’s kein Morgen. Der Hammer war die Dienstälteste unter den Damen. Ein Frau in ihren Fünfzigern, die die Tanzfläche aber sowas von gerockt hat. Respekt. Wir haben uns mit unserem Bier auf die Galerie gestellt und das Treiben in Ruhe beobachtet. Obwohl, von ‘in Ruhe’ kann bei den Lachkrämpfen, die uns durchschüttelten, eigentlich keine Rede sein.
Groß auch der Besuch auf der Toilette, natürlich stilecht mit “Cowgirls” gekennzeichnet. Innen darinnen eine Gruppe von 3 Frauen, schätzungsweise Mitte dreißig. Eine Tür öffnete sich und eine recht betagte Dame stolperte sich ihren Weg zum Waschbecken. Die 3 Frauen machten sich der Reihe nach auf ins Kabinet…
Der Höhepunkt des Abends war der Versuch der beiden DJs, Karaoke an den Start zu bringen. Die ersten Klänge eines Ricky Martin Klassikers erfüllten den Raum. Der gerde mal 20-jährige Bilderbuch-Engländer (klein, schmal, keine Haare auf’m Kopp) stellte sich auf ein Holzpodest und animierte die Damen vor ihm. Als er sich seinen Strickpolluver vom Leib reißt, ist es Zeit für uns zu gehen.

11. August 2007
by miss sophie
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Liverpool07 – die Pubs I

Die gesamten Britischen Inseln sind vorzugsweise für eins bekannt: die Pubs. Liverpool hat eine Menge davon. In der Innenstadt läuft mensch keine 3 Meter, ohne auf eines der mit netten Holzfenstern ausgestatteten Räumlichkeiten zu stoßen. Zuviele für eine Woche. Zuviele, wenn man wie ich zwischendrin 30 Pfund (ca. 45 Euro) in eine Jacke des Liverpool FC investiert und damit die Urlaubskasse erheblich ausdünnt.

Das erste Pub bescherte uns gleich einen nahezu traumhaften Abend. Traumhaft in rein und pur wäre er gewesen, hätte Liverpool gegen Feyenord Rotterdam die Kraft und Schnelligkeit der ersten 20 Minuten beibehalten und nicht nur ein mageres 1:1 herausgespielt. Aber im Grunde war das auch egal. Wir waren in Liverpool und haben ein Spiel der Reds vor Ort gesehen. The Flute heißt übrigens der Pub (das Pub?). Lag gleich neben unserem Hostel und ist offenbar spezialisert auf Sportübertragungen. 2 große Leinwände und entlang der Decken mindestens 10 Fernseher. Im großen Mittelraum sind die Tische so angeordnet, dass der geneigte Fussballfreund bequem und geradezu in Richtung Leinwand schauen kann.
Wir haben uns an einem der als Tische hergerichteten Bierfässer nieder gelassen, die andere Leinwand und das nicht ganz lokale, aber halt günstige Carling genossen. Das mit dem Trinkgeld hatten wir noch nicht so raus. Aber der Preis stand nicht an den Zapfhähnen, aus dem Munde der ansässigen Tresenkräfte haben wir ihn gleich gar nicht verstanden und in so einem Moment reicht der geneigte Auslandsgast (aus Berlin) dann einfach mal den 5-Pfund-Schein über die Theke. Passt schon. Irgendwie.