die katrin

my photography & other stuff

1. July 2008
by miss sophie
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Magische Orte III.

Freitag. Mir ist wie Sonnabend. Die ersten Stunden haben also gewirkt. Ein Gefühl von hier-genau-richtig-sein.
Zum Mittag ab ins Kino. Moviemento Kurzfilmreihe mit Kinderfilmen. Im wahrsten Sinne des Wortes ganz großes Kino: A Sunny Day von Gil Alkabetz. Es beginnt mit dem Bild einer Hügellandschaft und einem gelben Ball, der sich hebt und senkt. Ein Schnarchen ertönt – die Ball hebt sich. Ein pfeifendes Ausatmen – der Ball senkt sich. Dann klingelt der Wecker und die Sonne erwacht. Mit einem Schrecken steigt sie über den Hügel. Die Sonnenstrahlen sind noch kleine schwarze Striche. Um sich die Zähne zu putzen, malt die Sonne einen Regenbogen an den Himmel, holt die Zahnbürste raus und nimmt die Regenbogenzahnpasta zum Zähneputzen. Ausgespuckt wird ein kleiner Spritzer Regenbogen. Ein paar vorbeifliegende Wolken sind der Rasierschaum. Dann ist es Zeit, sich die Haare zu kämmen. Aus den kleinen, schwarzen Strichen werden strahlendbreite Sonnenstrahlen. Am Ende des Hügels wohnt ein kleines Mädchen. Sie macht sich auf, stellt sich mit ihrem Hund vors Haus und setzt Sonnenbrille und Hut auf. Auch der Hund bekommt einen Hut. Die Sonne schaut ein wenig traurig. Das Mädchen geht zu ihrer Familie, die sich unter einem Baum in den Schatten geflüchtet hat. Die Sonne schaut wieder traurig zu und verändert ihren Stand. Die Familie flüchtet mit dem Schatten auf die andere Seite des Baumes. Das Mädchen steigt in einen Bus ein. Die Sonne freut sich, sie auf ihrem Weg begleiten zu dürfen. Doch das Mädchen ist ärgerlich und lässt die Rollläden am Fenster des Busses herunter. Die Sonne gibt nicht auf. Sie weiß um das Gute, das sie vollbringen kann und möchte es den Menschen zuteil werden lassen. Sie folgt dem Bus und dem Mädchen, kämpft sich einen Berg hinauf und freut sich, als das Mädchen am Strand ankommt. Aaah! Hierher kommen die Menschen, um die Sonne zu genießen. Also stellt sich die Sonne freudig an den Himmel. Die Menschen reagieren unisono mit dem Aufspannen von Schirmen. Die Sonne lässt sich nicht entmutigen. Sie vollführt einen Tanz und sammelt all ihre Pracht. Die Menschen reagieren unisono mit dem Aufstellen von Zelten. Langsam wird die Enttäuschung zu groß. Die Sonne wandert noch ein wenig umher und macht sich dann auf, hinter dem Horizont des Meeres zu verschwinden. Der Tag ist vorbei und es wird Zeit, sich schlafen zu legen. Da blitzt und jubelt es auf einmal. Die Sonne schaut überrascht gen Strand. Dort stehen all die Menschen, die sich gerade noch in ihren Zelten versteckt hatten, halten Kameras in die Höhe und klatschen begeistert. Die Sonne wird verlegen. Läuft rot und lila an vor lauter unerwarteter Freude ob dieser Aufmerksamkeit. Sie strahlt noch ein letztes Mal und versinkt hinter dem Horizont. Bis nur noch ein Schnarchen und ein pfeifendes Ausatmen zu hören ist.

Ein bisschen Chillen im Zelt. Ein bisschen Rumlaufen und dabei froh sein, die Regenjacke mitgenommen zu haben. Unseren Nachkömmling begrüßen. Ans Lagerfeuer setzen und die Hippiegemeinde einwirken lassen. Festivals sind immer eine andere Welt. Abgeschottet von allem. Hier auf der Fusion ist es nochmal anders. Tagsüber, wenn die Beleuchtung fehlt und die Stromversorgung für die Stände und die Musik das einzig Technische sind, treten die selbstgebauten Orte aus Holz und Stoffen in den Vordergrund. Die Menschen sitzen auf Holzstämmen oder unter Planen. Der Anblick eines iPhone und der Anblick eines Aliens in seinem Raumschiff würde hier nicht den kleinsten Unterschied machen. Beides ist seltsam entrückt.

Das Cabaret at the End of the World. Der Abend bringt kurzweilige Stunden voller Artistik, Pomp, extravaganten Moderatorinnen und ihren vier Übersetzern. Staunen und Lachen. Bewundern und ums Verrecken den Mund nicht mehr zu bekommen. Bis die ich-bin-eine-Frau-die-so-tut-als-sei-sie-ein-Mann-der-als-Drag-auftritt mit plumpen Sexanspielungen eine schlechte Playbackshow abliefert. WIr verpassen den Rest des Abends. Aber es ist egal. Denn jetzt kommt The Rodeo. Sie ist die Entdeckung des Wochenendes. Deshalb an anderer Stelle mehr.

Sonnabend. Oh! Schon Sonnabend. Ein Gefühl von “das Ende naht”. Jetzt bloß nicht verrückt machen lassen. Gemütlich frühstücken. Ins Casino Hörspiele hören. Klappt nicht. Die Bänke und Böden sind überfüllt mit schlafenden und lauschenden Menschen. Egal. Auf dem Sonnendeck ist es sowieso viel schöner. Zu Hauf fliegen die Schwalben in der Gegend umher. Vor dem Casino haben sich zwei Jungs hingesetzt und spielen mit ihrer Gitarre und einem Saxophon ein kleines Set. Es ist genau das richtige für den Moment. Die Seele baumeln lassen. Dösen. Die Ruhe finden, die sich des Nächtens ob der 24h-Trancemucke nicht so recht einstellen will.
Zurück zum Zelt und mal ein wenig zivilisatorische Gesichtspflege gegönnt.
Bratze in der Tube. Schon während des Wartens fließt der Schweiß in Strömen über die Rücken. Gruppendynamiken sind etwas eigenartiges. Wir stehen erst hinten. Dort drückt und drängelt es. Kellerclubatmosphäre kommt auf. Kurz vor Beginn gehe ich nach vorne. Angenehme Leere, die ich schon von weitem erkenne. Ich drängele mich durch und kann für einen Moment Luft holen. Ich wundere mich, dass nicht mehr Leute auf diese Idee kommen. Der Moment des Luftholens ist vorbei als Bratze starten. Von Sekunde eins an rocken sie das Haus. Die Jungs sind heiß. Die Leute vor der Bühne sind es auch. Ein Schlag in die Magengrube. Ein wildes Durcheinander als gäb´s kein Morgen mehr.

Die Jolly Goods. Ich kannte nur ihre Single Girl Move Away From Here, war gespannt und musste mich der Enttäuschung preisgeben. Nicht, weil sie nicht gut waren, denn das waren sie. Sondern, weil die Single mitnichten das widergibt, was die beiden Mädels live präsentieren. Girl Move Away From Here ist eine gerade noch tanzbare, wütende und wütige Musik. Mehr davon hatte ich erwartet. Alles andere jedoch klingt nach den Töchtern von PJ Harvey, mit jugendlichem Zorn im Bauch und verschiedensten Varianten von Herausschreien auf den Lippen. Mehr noch, es ist ein Ausloten der Grenzen dessen, wozu die Sängerin Tanja Pippi in der Lage an den Rändern der Pfade ausgetretener Songstrukturen.

Danach: Flasche leer. Ich kann nicht mehr. Ich merke, die Erkältung steckt mir immer noch in den Knochen. Ich gehe schlafen und begrüße am frühen Morgen die Heimkömmlinge aus den Nachbarzelten. Die Sonne strahlt. Entspanntes nichts-muss-mehr im Kopf. Die Elektrobeats werden auch langsam aufdringlich. Ebenso das partywütige Volk, das mittlerweile die Wege beherrscht. Es hat sich was verändert zum Wochenende hin. Mehr schicke Club-Menschen. Mehr bummbumm-Techno-Volk aus Autos, deren Kennzeichen durchgehend mit drei Buchstaben beginnen. Die Wirkung von Alkohol, anderen Drogen und durchtanzten Nächten zeigt ihr unschönes Gesicht. Es ist zwar immer noch um Längen entspannter als auf anderen Festivals, aber die Ruhe der ersten Tage ist vorbei.
Das Highlight zum Abschluss: Slacklinen. Auch eine Club Mate findet sich noch an.
Die Zeit, in der die Sonne am Höchsten steht, ist die Zeit, in der wir aufbrechen. Anstehen an der Ausfahrt. In kurzen Metern rollen wir voran. Volkssport Nummer eins: Das Auto schieben. Die Jungs sind offenbar noch nicht ganz ausgelastet… Großartiger Anblick allenthalben. Zwischendrin: Lesen. Auf die Motorhaube setzen. Handstände üben.
Auf dem Heimweg Halt an der ersten Raststätte. Jetzt ein Eis. Begegnungen mit Menschen, die so etwas wie “eine andere Welt ist möglich” schon früh aus ihrem Denken gestrichen haben. Genervtes Gehupe, wenn man als Fußgänger die Dreistigkeit besitzt, die Straße zum Parkplatz zu überqueren. Hektische Eltern, die ihre Kinder wieder ins Auto zurückschleifen. “Aber da ist doch ein Mülleimer.” “Nein komm! Das Eis kannst du auch noch im Auto aufmachen.” Mit Rasten hat das hier rein gar nichts zu tun.

Und so kehre ich heim. Trage die Erinnerungen in mir. Und schaue mit glänzenden Augen alldiejenigen an, die mich fragen wie´s war.

1. July 2008
by miss sophie
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Magische Orte II.

fusion_2008_215
Bild von langalex, geschossen auf der Fusion.

Seit ein paar Wochen wackel und schlinger ich über ein ca. 5cm breites Seil, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Slacklinen nennt sich das und bringt so dermaßen viel Freude.

In der Situation da oben habe ich es übrigens trotzdem noch irgendwie gechafft, wieder rechtzeitig auf das Seil zu achten und dann auch drauf zu landen… ;)

30. June 2008
by miss sophie
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Magische Orte I.

Längere und kürzere Sätze zu den Ereignissen der vergangenen Tage: die Fusion des Jahres 2008.

Donnerstag: Treffen am Gesundbrunnen. Schnell noch nen Kasten Alster kaufen. Rauchen auf dem Vorplatz. Eine kleine Tradition. Immer, wenn ich vom Gesundbrunnen aus losfahre, stelle ich mich noch kurz oben hin, genieße die Sonne und den Anblick der Menschen und das bisschen Bahnhofsatmosphäre, das es dort gibt. Fahren und Sitzen quer durch den Waggon verteilt. Den Menschen, die müde und geschafft von der Arbeit einfach nur noch nach Hause wollen, sieht man an, dass sie ein genervt sind von der guten Laune und Entspanntheit, die wir alle versprühen.

Neustrelitz: Bahnhof. Zwei Gleise und ein Bahnhofshäuschen. Alles in fröhlichem Gelb gestrichen. Aber wehe, mensch geht die drei Meter neben das eigentlich Bahnhofsgelände, z.B. zu dem kleinen Toilettenhäuschen. Das Alter der Bahnanlagen springt einem förmlich auf die Schultern. Ein kleiner Backsteinbau, innen nicht verputzt. Die Türen der Kabinen in passendem Ochsenblut lackiert. Ein sanfter Willkommensgruß auf dem Weg aus der Zivilisation heraus. Aber es stinkt nicht und der Boden ist sauber. Irgendwer kümmert sich dennoch um die Räume. Es ist die sympathischere Ecke.

Neustrelitz: Bahnhofsvorplatz. Die Mengen warten auf die Shuttlebusse, die sie zum Festivalgelände bringen werden. Alle versuchen das Fleckchen zu finden, an dem der Bus halten wird, um nur ja mit einem “Erster!” ihren Sitzplatz einnehmen zu können. Ein Kopfschütteln meinerseits. Die Fusion “ein Marktplatz der Utopien und der Träume von einer Welt, die nicht von Rücksichtslosigkeit, Intoleranz, Egoismus und Geldscheffeln bestimmt ist“? Noch merke ich nichts davon. Das soll erst später kommen. Noch sind wir außerhalb des Festivalgeländes. Ein zynisches “Oh, hier draußen passt ihr euch aber perfekt in die Ellbogenmentalität ein!” geht mir durch den Kopf. Diesen Gedanken habe nicht zum ersten Mal – und sicher auch nicht zum letzten Mal -, schließe ihn ein in meine Erkenntnisschatulle und entgegne dem Gejammer und Geschiebe mit innerer Entspanntheit. Und spätestens auf der Fahrt und in dem Moment, in dem wir allesamt gerickroll´d werden, ist die Welt wieder in Ordnung.

Ankommen am Gelände. Mitten im Nirgendwo. Wald und Wiesen ahoi. Ich atme tief ein. Blicke über die Landschaft aus Zeltdächern. Und vergesse mit einem Schlag alles, was in meinem Leben in der Großstadt präsent ist. It´s festivaltime, baby! Dreieinhalb Tage weg von zu Hause. Dreieinhalb Tage einfach nur das tun, wonach mir der Sinn steht.
Ankommen ist einer schönsten Momente bei Festivals. Das eigene Frohlocken ob der kommenden Stunden und Tage prägt die Wahrnehmung. Völkerwanderungen zwischen den Zeltplätzen. Gute Laune allerorten. Es wird aufgebaut, auf den Lageplan geschaut, auf den Rest der Gruppe gewartet oder einfach immer weiter gelaufen. Das Alster fest in der Hand.

Der erste Abend beginnt mit einem musikalischen Opener der deluxe-Variante. Turbostaat rocken die Rote Bühne.
The Notwist: Sie sind gut. Aber die Kälte können sie mit ihrem Sound dann doch nicht aus meinen Knochen vertreiben. Es tut mir nach wie vor in der Seele weh, diesen Moment nicht ausgekostet haben zu können.
Treffen am Zelt. Gemeinsam wieder aufbrechen und einige der magischen Orte entdecken. Das Cabaret at the End of the World ist die leibhaftige Welt, wie sie auch Baz Luhrmann liebt. Ein Ort in Plüsch, Seidenvorhängen und weltentrückter Verspieltheit. Es ist die erste Station, die die Magie der Phantasie leibhaftig werden lässt.
Am Lagerfeuer Wärme und Dubsounds. Feuerkünstler verlieren sich in ihren Bewegungen. Das Auge folgt und der Geist verliert sich mit.
Die Entdeckungsreise geht weiter. Neuland und Second Fusion und all die Kleinigkeiten dazwischen. Das alles bei Nacht. Die Second Fusion ist die wieder analoggewordene digitale Welt. Großer Spaß: Zweite Welt. Auf einem Tisch ist eine Landschaft zusammengebastelt, ähnlich der von Modelleisenbahnen. Für das Spiel gilt es, sich einen Avatar zu basteln, Aufgaben zu lösen, Materialien zu sammeln und das Gesammelte gegen Realien einzutauschen.
Zurück zur Hangar Bühne. Che Sudaka locken mit großartigem Ska.
Die letzten Tage und kurzen Nächte in der Heimat zerren an mir. Mein Körper will Schlaf.

25. June 2008
by miss sophie
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Auf zur Fusion 08

Morgen abend um diese Zeit werde ich im trauten Mecklenburg-Vorpommern chillen. Die Fusion ruft und in diesem Jahr folge auch ich. So richtig will sich die Stimmung noch nicht einstellen (da muss noch viel mehr Arbeit vorher weg), aber zumindest mein kleiner, gelber Glücksbringer ist schon eingepackt. Mein kleiner, gelber Glücksbringer ist meine Regenjacke. Denn immer, wenn ich sie einpacke, dann nehme ich sie umsonst mit. Und so hoffe ich auch dieses Mal, dass der kleine Sonnenschein sein Dasein dreieinhalb Tage am Rucksack fristen wird.

Jetzt geht’s auch gleich wieder zurück an den virtuellen Schreibtisch. ‘Ne grantige miss sophie soll ja keiner ertragen müssen.

[Nachtrag] Feinfein. Mein Rucksack läuft gleich mit mir durch die Straßen zu den Gleisen zu dem Wagen, der uns in den Norden bringt. In den letzten Minuten klingt Bratze in den Ohren. Gettin’ ready. Gettin’ started.

22. June 2008
by miss sophie
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Meine neuen Füße.

Mein armes Fahrrad. Wenn sich das Board hier demnächst tatsache häufiger mal in meinem Besitz befindet, dann wird mein liebes, kleines Zweirad noch anfangen zu weinen. Ich werde es dann im Hinterhof stehen lassen. Müssen geradezu.

longboarrrd

Zweieinhalb Wochen ist es her, dass ich das erste Mal auf einem Longboard stand. Meine bisherigen Erfahrungen mit den Brettern dieser Welt beschränkten sich auf ein BilligSTskateboard, das ich im Alter von ca. 12 Jahren mein Eigen nannte. Auf Grund von Unfahrbarkeit (das Teil sah mehr aus wie ein Regalboden und so fuhr es sich auch) landete es nach gut einer Woche zusammen mit den Phantasien von Downhillfahrten oder Halfpipehüpfern wieder in der Ecke und später im Müll. In der Neunten gönnte ich mir vom Klassenfahrtsgeld einen Tag Snowboarden. Sich auf dem Idiotenhügel alle Nase lang hinzupacken und selbst von 5-Jährigen auf ihren Skiern gekonnt überholt zu werden, ist aber nun wahrlich nicht das, was mensch einen Anreiz zum Weitermachen nennen würde.

Mit diesen, erfolgreich verdrängten, Erfahrungen im Hintergrund stand ich nun also vor zweieinhalb Wochen am oberen Ende des Schwedter Stegs und bestieg obiges Longboard. Das lief in etwa so ab: Draufstellen. Die ersten Meter relativ sicher gradeaus rollen. Fragen, wie das mit dem Bremsen eigentlich so funktioniert. Um dann keine halbe Stunde später die erste Abfahrt auf dem Schwedter Steg zu meistern. Ohne Hinpacken wohlgemerkt. (Für alle, die die Brücke nicht kennen: Die ist 200 Meter lang und hat eine Steigung von geschätzten/gefühlten 5%. Runterwärts kann man da schon gut an Fahrt gewinnen.) Mir kam das in dem Moment irgendwie alles sehr leicht und natürlich vor. Gestandene Longboarder kann man damit schon mal aus dem Konzept bringen.

Dann erstmal Pause. Heute das zweite Mal auf’m Board gestanden und gleich beim Cruisen durch die Innenstadt mitgemacht. Huiuiui. Vor einer ums Verrecken nicht bremsenwollenden Straßenbahn flüchten zu müssen, wo doch eigentlich komplett die Erfahrung fehlt für solche Situationen… Alter Schwede! Aber der Anblick von rund 20 Longboardern, die an der Ampel eine komplette Autospur dichtmachen, um dann gemütlich links abzubiegen, ist einfach göttlich. Das dachten sich wohl auch die vielen Fußgänger, Rad- und wenigen Autofahrer, die das Spektakel mit belustigter Miene verfolgten. Und das entschädigt denn auch für all den ausgestandenen Nervenkasper, aber sowas von-

Nun also vier statt zwei Räder. Nicht immer. Aber immer öfter.

20. June 2008
by miss sophie
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Inside Out – The Kooks in der Columbiahalle

Eins vorweg. Die Kooks haben so mit das beste Publikum, das seit der Erfindung der The-Bands in einer Konzerthalle aufgetaucht ist. Junge, waren die heiß. In der Umbaupause wurden die jeweiligen Pausen zwischen den Konservenliedern mit einem leisen Anschwellen der Jubelrufe gefüllt. In jeder Liedpause wurde es ein bisschen lauter. Bis die ersten Takte von Arctic Monkey’s When The Sun Goes Down angespielt wurden. Bämmm. Überrascht warf ich einen Blick auf die Bühne. Leer. Das Entzücken des Publikums war derart groß, dass ich für einen kurzen Moment schmunzelnd überlegte, ob sie gar die Bands verwechselt hatten. Aber nein, hatten sie nicht. Die Masse wogte und zappelte und musste einfach schonmal rauslassen, was da an Energie brodelte.

Dann. Licht aus. Lightshow an. Von der Sorte Anlehnung an Stadionrock. Es war ein Versprechen und das Publikum löste es ein. Jeder, aber auch wirklich jeder Song fand seine Mitsänger vor der Bühne. Da wurde getanzt, gefeiert und gesungen. Das ist umso erstaunlicher, als die vier Jungs und insbesondere der Sänger Luke Pritchard gar nicht sonderlich viel gemacht haben. Es gab ein fröhliches “Hallo!”, ein kurzes Lachen und dann ging’s los. Kein unnötiges Blabla, kein wildes Rumgehampel auf der Bühne, keine Ankündigung der einzelnen Songs. Letzteres brauchte es auch gar nicht. Die Jungs und Mädels im Zuschauerraum haben sowieso alles an den ersten Takten erkannt.

Ich glaube, es ist die Musik der Kooks, die so etwas möglich macht. Egal ob Ballade oder Up-Tempo, die Stimme von Pritchard legt in alles ein leicht beschwingtes Element hinein, die Akoustik-Gitarre lacht dazu – ja, genau das macht sie, sie lacht. Und all das bringt an einem Abend Menschen zusammen, die gerne lachen und Spaß haben. Großartig, das.

Und jetzt noch ein wenig Musik.
The Kooks – She Moves In Her Own Way

DirektSelberbewegen

18. June 2008
by miss sophie
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Heute abend: The Kooks

Für einen kurzen Moment wünsche ich mir, die Kooks spielten heute abend im Lido oder besser noch im Knaack oder im Bang Bang oder gar im Privatclub oder so. Es passte um so vieles besser zur Musik und zur Band. Ich könnte gemächlich meinen Muskelkater (slacklinen – später mehr) auskurieren und der um die Ecke lugenden Erkältung einen heftigen Schwinger verpassen. Die Klänge hätten einen kurzen Weg von der Decke zurück in meine Füße. Der Schweiß hätte einen kurzen Weg von den Körpern der Menschen hin zur Decke und zurück. Alle wären noch ein wenig aufgeregter. Alles wäre kuschliger. Und würde in etwa so aussehen:


The Kooks: Matchbox

Genug der Wunschträumereien. Heute abend ab irgendwann nach neun gibt’s die Kooks. Und das wird hoffentlich der Hammer werden. Liebe Aufregung, bitte starten Sie jetzt Ihre Arbeit.

2. June 2008
by miss sophie
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Eine Dekade an Tagen.

Mal ein bisschen die Rolle vorwärts rollen lassen. Die labels der Gegenwart anpassen. Aufs Barcamp verweisen. Mir dabei das erste und hoffentlich letzte Mal pink ins Haus holen. Und ansonsten nicht viel zu sagen zu haben. So sieht’s aus. Ich hoffe, euch geht’s gut. Mir nämlich auch. Bis später.

23. May 2008
by miss sophie
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Sandkastenförmchen deluxe.

Rund 2650 Sprachen. 142 sprachliche Merkmale. Derzeit 5728 zitierte Texte. Der World Atlas of Language ist online gegangen.

Wer schon immer mal wissen wollte, dass die deutsche Gebärdensprache mehr als 5 unregelmäßige Verneinungen kennt und sich damit in guter Gesellschaft befindet (von den 35 untersuchten Gebärdensprachen haben 21 mehr als 5 unregelmäßige Verneinungen), kann sich das alles auf der Karte (auf Basis und mit allen Features von google maps) visualisieren lassen. Oder im zugehörigen Kapitel nachlesen, dessen Literaturangabe per Mausklick vollständig samt Datum des Abrufs verfügbar ist. Oder gleich die Merkmalsdaten im KML- oder XML-Format abrufen. Oder vielleicht doch lieber eine Diskussion zum Merkmal führen und die Kommentarfunktion nutzen. Oder einen Schritt weiter gehen und mehrere Merkmale kombinieren.

Was das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie und die Max Planck digital library hier geschaffen haben, ist von unschätzbarem Wert für sprachwissenschaftliche Studien. Schon jetzt lassen sich eine Fülle an sprachlichen Merkmalen im weltweiten Vergleich anzeigen. Neue Studien können leicht eingebunden werden, ohne dass immense Druckkosten die Verbreitung weiteren Wissens einschränken oder gar verhindern. Ich könnte mir auch vorstellen, Sprachen, die aussterben oder bereits ausgestorben sind, optional anzeigen zu lassen und somit Sprachwandel direkt in die Karten einzubinden.

Drauf aufmerksam geworden bin ich über den Bremer Sprachblog. Und ich geh dann mal wieder in den Sandkasten, noch ein wenig spielen.