die katrin

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22. May 2008
by miss sophie
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Einer der Gründe, weshalb Erklärungen von freiem Willen nie in strengem Sinne kausal sein können.

Im Ablauf von Überlegen-Entscheiden-Handeln gibt es zeitlich aufeinanderfolgende bewusste Zustände, von denen wir nicht die Empfindung haben, dass ein Zustand den nächsten zwingend erfordert. Diese Empfindung zeigt sich auch in unserer Sprachpraxis, wenn wir diesen Ablauf beschreiben oder uns vergegenwärtigen. Beim Überlegen, im Moment einer Entscheidungsfindung, machen wir uns eine bestehende Situation, verschiedene Handlungsoptionen sowie unsere Wünsche und Ziele bewusst. Dies zusammen führt zu handlungsauslösenden Gründen, die im Fällen einer Entscheidung münden. Insbesondere in den Fällen, in denen für die verschiedenen Handlungsoptionen gleich gute Gründe vorliegen, ist die Entscheidung für die eine oder andere Handlung nichts, was sich in einem streng naturwissenschaftlichen Sinne als kausal hinreichend bezeichnen ließe. Ebenso ist der bewusste Zustand des „eine Entscheidung treffen“ nicht kausal hinreichend für den zeitlich darauf folgende bewussten Zustand des Handelns. Implizit schwingt hier die Option des Anders-Entscheiden-Könnens bzw. des Anders-Handeln-Könnens immer mit. Die grundsätzliche, potenzielle, zumindest rein theoretisch vorhandene Option einer Handlungsalternative macht die kausal hinreichende Erklärung von Entscheidungen logisch unmöglich.

Gründe sind Gründe und keine Ursachen, die unter kausal hinreichenden Gesetzmäßigkeiten stehen. Und inwiefern schon allein die Formulierung des Titels bezeichnend für die Debatte der Willensfreiheit ist, werde ich an anderer Stelle näher erläutern. Es fehlt nämlich an einem signifikanten Aspekt, der da wäre: der soziale und damit diskursive Aspekt von Gründen und deren Angemessenheit als Handlungsauslöser. Im Wahn, Erklärungen über die Welt in naturwissenschaftlicher Exaktheit und Messbarkeit abzugeben, übersehen viele, dass unsere Handlungen aus bestimmten Gründen in ein soziales Netz eingebunden sind, welches jedoch in seinen Gesetzmäßigkeiten wesentlich instabiler ist als es die Gesetze der Natur sind.

file under: Nerdsprech ohne explizit gemachten Zusammenhang. Kurz: Ihr müsst das da oben nicht verstehen.

17. May 2008
by miss sophie
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Aus den Tiefen der Schreibhölle.

Der Wahnsinn schleicht sich heran. Kommt heraus aus seiner Ecke. In vielerlei Gestalt begegnet er mir. Stimmen. Dialoge. Ein wenig Hintergrundmusik hier. Ein wenig Nahrungsmittelgenuss dort. Der stete Griff zur nächsten Zigarette. Ein halbfertiger Satz zerfasert sich selbst. Schnell noch an der Vokabelfront ein paar Aufmüpfige niedergestreckt. Tief durchatmen. Versuchen, die Fasern wieder einzusammeln. Zu spät. Sie sind in alle Winde zerstreut. Nun gut. Nur die Ruhe bewahren. Wird halt einen Absatz weiter gebastelt. “Aber das führt doch wieder nur zum Rumschustern an vielerlei Ecken. Und nix wird richtig fertig. Und ist das nicht auch die Flucht vor der Herausforderung der schwierigen Stellen?” Jaja. Blabla. Weiß ich auch. Danke schön. Auf Wiedersehen. Und also wieder tief durchatmen. Sammeln. Einsammeln. Ein paar Schritte zurück gehen. Was wollte ich gleich noch? Ahja. Der rote Faden lugt unter dem Sofa hervor. Wie einem scheuen Tier nähere ich mich behutsam. Wir beschnuppern uns von allen Seiten. Nutzen die Ladepause. Bsi zum nächsten Angriff-

13. May 2008
by miss sophie
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Und dann sitzt du hier. Du willst weg hier. Den Tag beginnen. Du fühlst dich unwohl inmitten der Menschen um dich herum, die alle im Hier und Jetzt etwas zu tun haben. Die offenbar zufrieden, vielleicht sogar glücklich sind. Du kannst hier nicht sitzen und deinen Gedanken nachhängen. Alles, nur nicht deinen Gedanken nachhängen. Du denkst daran, was du den Tag über machen wirst. Zählst die Sekunden bis du aufstehst. Dann gehst du. Und an jedem einzelnen Ort wirst du mit Unruhe an den nächsten denken.

12. May 2008
by miss sophie
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Gedanken in Mitteldeutschland

Unbewegt in Bewegung sein mit Gedanken, die sich auf den Leitplanken ablegen und aufreihen.

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Das Hostel ein Ort zum Details entdecken. Eine Summe der kleinen Dinge. Neben der Alten Oper gelegen, heißt es unspektakulärerweise Opera Hostel. Ich muss dennoch immer zuerst an den Brwoser denken. Es liegt am Rande der Altstadt, die ich auf der Suche nach einem Wlan-Café durchstreife. Die Menschen auf den Straßen sehen nach Tourismus und Feiertagsausflüglern aus. Alles ist ruhig und beschaulich. Sie haben hier sicher alle ihre Sorgen, aber sie sehen nicht danach aus, als müssten sie sich ernsthaft um ihre Lebensgrundlagen fürchten. Der Besuch im Burger King bringt ein wenig Auslgeich in dieses Stadtbild. Viele alte Menschen sind hier. Allein. Ich muss an kleine Renten und noch kleinere soziale Netzwerke denken. Die Traurigkeit in ihren Augen wechselt sich mit Erschöpfung ab.

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Den Nachmittag verbringe ich im Fam. Ich gerate mehr aus Zufall in den Nichtraucherbereich. Es ist leer hier. Leer und ruhig. Draußen in der Sonne haben die Kellnerinnen viel zu tun. Das gefällt mir. Muss ich mir doch keine Gedanken darum machen, wertvollen Umsatzplatz zu klauen. Bald vier Stunden sitze ich jetzt hier. Die Arbeit für heute ist getan.

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Es ist ein Wochenende nach meinem Geschmack. Öfter mal rauskommen. Den Schreibtisch in der Tasche. Meine Bindungen sind nicht die an einen Ort. Sollen es nicht sein. Ich weiß, was ich zu tun habe in den nächsten Jahren.

5. May 2008
by miss sophie
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The Subways/ Jennifer Rostock – 4. Mai im Radialsystem V

Das Schöne an Festivals ist ja, dass mensch sich in Ruhe unbekannte Bands anschauen kann. Jennifer Rostock also. Oder “Jenni”, wie sie liebevoll von ihren Fans genannt wird. Kopf oder Zahl ist ein Song, der in die Beine geht. Die Zeile “Hoffnung, Hoffnung, tanz dich barfuß durch die Welt” hat was. Aber bei Jennifer Rostock wusste ich nie so recht, was ich von der jetzt nun wieder halten sollte.

Und dann kommt da dieses kleine, viel zu dünne Persönchen mit diesen langen, schwarzen Haaren auf die Bühne und rockt das Haus. Eine Stimme und ein Mundwerk, mit dem sie gar nicht anders kann als auf der Bühne ihr Publikum zu unterhalten. Alles andere wäre pure Verschwendung.

Live hat das alles nur noch sehr wenig mit dem Synthiegefiepe der Single Kopf oder Zahl zu tun. Da wird aus der auf myspace selbstgegebenen Schubladisierung “Elektro, Punk, Pop” ganz schnell Rock mit ein wenig Pop und Elektro als Dreingabe. Punk ist das gesamte Erscheinungsbild irgendwie auch, aber mehr im Sinne von Punk ist… von den Ärzten. Ich konnte mich auch des Gedankens nicht erwehren, dass Frau Rostock eine perfekte Projektionsfläche dieses Popfeminismus bietet, wie er u.a. letztens von Bernadette La Hengst für den Spiegel formuliert wurde.

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Die Subways. Lange Monate schon wartete ich darauf, die Mischung aus zuckersüßen Melodien und hartem in die Saiten Hauen live erleben zu dürfen. Gestern sollte es soweit sein. Und doch ganz anders kommen. Drummer Joshua Morgan hat es mit einem Virus darniedergelegt. Billy Lunn und Charlotte Cooper spielten ein kleines Set mit Akoustikgitarre und Bass. Viel zu kurz die Setlist. Umso intensiver der Gig.

Aufgeregt waren die beiden. Mit verschmitztem Grinsen machte Lunn seine Ansagen, ein guter Schuss Nervosität immer dabei. Cooper sagte nicht viel, aber auch ihr Gesicht sprach Bände ob der Begeisterung des Publikums. Es war ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass eine sympathische Band den musikalischen Genuss um einiges zu steigern vermag. Das neue Album “All Or Nothing” wird im Juni erscheinen und der gestrige Auftritt war wohl so ziemlich die erste Gelegenheit, die neuen Songs ohne das Gewand einer plugged-in-Gitarre und eines Schlagzeugs zu präsentieren. Dass das bei den Subways aber mal so richtig gut funktioniert, ist bestens bekannt. Lunn’s Stimme trägt ganze Lieder fast wie von selbst. Kraft verbindet sich gekonnt mit dieser melodiösen Harmonie, die die Briten mit der Muttermilch eingeflößt bekommen. Singen die beiden dann im Duett, kreieren sie die Sahnehäubchen ihrer Musik.

Den Saal hab ich mit einem breiten Grinsen und einem tiefen, inneren Glücksgefühl verlassen.

2. May 2008
by miss sophie
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Slut/ The Hoosiers – 2. Mai 2008 im Radialsystem V

Pünktlich sein hilft. Vor allem wenn die Vorband gar nicht die Vorband ist und der heimliche Star des Abends als Erstes auf der Bühne steht. Schwupps, die ersten 15 Minuten Slut verpasst. Und schwupps eingetaucht in ein Feuerwerk des Indiepop, der eigentlich keiner mehr ist.


Slut – Something To Die For

Rund um die Jahrtausendwende muss es gewesen sein, als ich Slut kennen lernte. Hauptsächlich von den Sachen, die im Radio liefen. Ich mochte sie immer gerne, kaufte mir das Lookbook-Album, hörte es oft und verfolgte sie dann doch mehr so nebenbei. Ich war auf melodiösen Indiepop à la Bluetones und Konsorten geeicht. Und verstand darüber die tiefen Dimensionen nicht, die Slut in ihrer Musik aufleben lassen. Es waren Klangwelten, die sich heute abend auftaten. Wenn Elektro nachgesagt wird, es spüre der Struktur der Musik auf eine Weise nach, die tief in sein Innerstes eindringt, dann machen Slut genau das mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Klavier. So manches Mal musste ich an Muse und ihren Klang denken. Die zarten Teppiche, die an einer Mauer des Rock aufprallen, in tausend Teile bersten und dann sanft gen Boden gleiten. Slut haben nur wenig gesagt, dafür mehr die Lieder ineinandergewebt. Auf diese Weise ist das typische Ansage-Lied-Konzert zu einem runden Ganzen geworden, bei dem ich ob der Brecht-Adaption in dem Gefühl den Raum verließ, gerade einer Oper beigewohnt zu haben.

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Zu The Hoosiers hab ich nicht viel zu sagen. Kannte ich vorher nicht. Will ich auch jetzt nicht kennen lernen. Uninspirierter, talentbefreiter Mischmasch auf Gitarre-Bass-Schlagzeug. Die Sachen mit den Bläsern waren gut, die gingen ins Bein. Mehr davon und weniger “wir sind so trash-witzig”-Attitüde und die Jungs könnten mir zusagen.

28. April 2008
by miss sophie
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Das eigentlich Schlimme an diesem Volksentscheid.

Hm. Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich an dem gestrigen Volksentscheid schlimmer finde. Dass die CDU und ein paar Unternehmer dieses Mittel der Bürgerbeteiligung für etwas instrumentalisieren, dass schon lange nicht mehr in der Hand der Bürger liegt. Dass auf beiden Seiten mit billigsten Werbeslogantricks gearbeitet wurde. Dass unser lieber Herr Regierender Bürgermeister politich so dumm war, der ICAT-Kampagne mit Arroganz zu begegnen anstatt sich zurücklehnen und zu sagen: “Aber ihr CDUler (auch auf Bundesebene) habt doch damals mitentschieden. Unser Senat führt nur zu Ende, was von eurem Senat vor einem Jahrzehnt beschlossen wurde.” Dass die Boulevardmedien das Thema in gewohnt-gekonnter Manier mit ihrer Nostalgie-Emo-Schlacht bevölkerten. Dass kaum jemand ernsthaft über die Sachverhalte gesprochen hat.

Bis vorhin war ich außerdem erschüttert über die geringe Wahlbeteiligung. 36,1% haben den Weg vorbei an Kabine und Urne geschafft. Von rund 2,45 Mio. Stimmberechtigten sind das gut 880.000 Menschen in Berlin. Wenn ich mir die oben genannten Aspekte so anschaue, wundert’s mich keinen Meter, dass die Politikverdrossenheit nach wie vor steil anhält. Das Instrument Volksentscheid kann dem entgegen wirken. Aber nach der Aktion glaubt hier doch keiner mehr daran, dass Bürger ihre Landesregierung wirklich dazu bringen können, ein Gesetz zu verabschieden, das so nicht von Parlament, Regierung und den Parteien vorgesehen ist.

Das eigentlich Schlimme an diesem Volksentscheid ist die Summe all dessen, was da gelaufen ist.