Wir wissen es alle: England ist teuer. Wie schrieb ich letztens einer Freundin: “England wird mich arm machen. Es wird mich aufsaugen, drei mal durch die Mangel nehmen, danach noch durch den Corned-Beef-Wolf drehen und mit geleerten Taschen wieder ausspucken”. Ich seh´s schon kommen. Am Ende werde ich mit 10 neuen T-Shirts, 5 CDs und haufenweise Krimskrams wieder in Berlin ankommen, in Liverpool und vielleicht Manchester viel Ale und Fish & Chips zu mir nehmen, das Beatles- und das Liverpool-FC-Museum stehen schon auf dem Plan und die restlichen 6 Tage wollen auch sinnvoll verbracht werden, … Wie gut, dass in unserem Hostel 24h Tee, Kaffee (oh ja) und Toast bereit stehen!
Und weil wir das alle wissen, gibt es vorab “Berlin und Spar” in live und in Farbe. Ich habe mir ein Limit von 20 Euro pro Woche gesetzt. Das muss reichen für Essen, Tabak und gelegentlich mal abends weg gehen. Ich hab das schonmal geschafft. Zu Euro-Zeiten. Und damals hatte ich noch ein Haustier. Ich bin optimistisch, das klappt wieder. Unschlagbar hingegen ist meine Urlaubsbegleitung. Sie hat heute am Ende des Tages noch 1.50 Euro und das Ziel ist: Bis Freitag muss´s reichen.
Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool Liverpool und Manchester wird auch wohl auch drin sein.
Ausgehtipps anyone? Und diese Frage ist ausnahmsweise komplett ernst gemeint. Ich hörte nämlich heute, dass Liverpool den Anschein erweckt, als gäbe es dort keinerlei Abendunterhaltung. Also mal abgesehen von den offiziellen Kultureinrichtungen ist der Rest scheinbar, wie das alte “Kino durchs Fenster” in der Scharnweberstraße, nur dadurch zu erreichen, dass mensch weiß, wo mensch lang muss. Insofern möchte ich frustrierenden Erlebnissen vorbeugen. Also: Ausgehtipps anyone?
Es hält mich auf. Es dröhnt auf mich ein. Es zerstört mein Denken. Es vernebelt mir die Sinne. Es lässt mich nicht schlafen. Es macht mich zu einer Ratte im Käfig. Es lässt meinen Körper unter spitzen Stichen erbeben. Es lässt mich beim ersten Augenaufschlag ruckartig hochschrecken. Es macht mich zu einem kleinen Häufchen Elend.
Ich buchstabier das nochmal: siebzehn…TAUSEND. So viele Menschen waren gestern in der ausverkauften Wuhlheide und wollten eine Band sehen: die Beatsteaks. Und wat war dit GEIL! Formidabel und epochal rattenscharf.
2 Stunden, gefühlte 3 Stunden Rock’n’Roll vom Feinsten. Alles war dabei, was dabei sein musste, und noch einiges mehr. Die Beatsteaks verstehen es nach all den Jahren Bühnenerfahrung vorzüglich, eine abgerundete, nie langweilig werdende Performance hinzulegen. Neben der handelsüblichen Ausstattung einer Rockband stand auch ein Plattenteller bereit. Zwischen einzelnen Songs und einmal als kleine Einlage gab´s instrumental HipHop und funky beats. Da überraschte es nicht weiter, als die Buletten denn auch Beastie Boys’ Sabotage als Ode an eine ihrer großen Vorbilder spielten. Neben den großen Songs, die auf keinem Konzert fehlen – Hand In Hand, Hello Joe, Summer, Big Attack, Monster, Jane Became Insane, Panic, Cut Off The Top und und und -, spielten sie nach rund 8 Jahren wieder Soothe Me [update: das mit den 8 Jahren kam später]. Nach dem sonst üblichen Schlusslied Let Me In (was ist eigentlich das Gegenstück zu “Opener”?) und einer kurzen Pause war 48-49 fällig [nämlich hier]. Der Titelsong 48-49, das brachiale Barfrau und das nicht weniger punkige Schlecht. Der Abschied aber war am Beeindruckendsten. Kein “Vielen Dank für den tollen Abend” – das kam zwischendrin. Kein “Und jetzt der letzte Song für heute abend” – dafür gab´s in einer der beiden Zugaben (ich hab’ vergessen in welcher) ein “Schönen Guten Abend. Wir sind die Beststeaks und legen jetzt mal los.” Nein, Plattitüden waren nicht erwünscht. Stattdessen hat die Band Arnim allein auf der Bühne stehen gelassen. Er stimmte Mietzi’s Song an und endete mit der Zeile “I close my eyes again and think of you”. Endlos wiederholend, immer ruhiger werdend, bis auch die Gitarre verstummte und nur noch seine Stimme den Raum erfüllte. Dann war Schluss.
Noch geschätzte 5 Stunden, dann ist es soweit: die Beatbuletten betreten die Bühne der Wuhlheide. Die beste Liveband der Welt rockt Berlin. Und zur Einstimmung gibt´s den hier:
Wenn ich das nächste Mal einen Problemfall mit der Telekom habe, werde ich mich nicht ärgern, sondern Freunde einladen und eine T-Home-Service-Call-Party feiern.
Nachdem das Thema “Popeln” gestern anderenorts schon schwer in Mode war, braucht der Trend nicht lange, um sich in den Heiligen Hallen unserer Universität wie ein Virus zu verbreiten.
Soeben in einem ruhigen Seitengang (JK28): Ein junger Mann geht den Flur entlang. Er stoppt, hebt sein rechtes Bein ein wenig, streckt und beugt und streckt und beugt das rechte Knie. Es scheint, es schmerzt. Zu dieser Bewegung hebt der junge Mann seinen linken Zeigefinger an sein rechtes Nasenloch. Ob er wirklich popelte, wollte ich so genau gar nicht wissen. Ich denke mir lieber, dies ist eine kurze Yoga-Finde-deine-Balance-Feng-Shui-Übung für zwischendurch gewesen und das Halten des Fingers in der Nase soll den latenten Rechtsdrall des Körpers beim sanften Heben des rechten Beines ausgleichen.
So der Titel eines nicht mehr ganz so taufrischen Films, den ich mir neulich in Form der kleinen Silberscheibe zulegte.
1995 kam “Hass – La Haine” in die Kinos. Ein Film, in dessen Zentrum drei junge Männer aus einem Pariser Vorort stehen. In Szene gesetzt von Mathieu Kassovitz.
Der Film beginnt mit Dokumentarbildern von Demos und Straßenschlachten. Junge Menschen mit Steinen und Mollis auf der einen Seite, Polizisten mit Schutzschild und Schlagstock auf der anderen Seite. Beide Seiten nehmen sich in ihrer Brutaltität nichts. Am Ende dieser Bilder wird eine Nachrichtensprecherin gezeigt, die in wenigen Sätzen von den Ausschreitungen des vorigen Abends berichtet. Die die Anzahl der Verletzten nur auf Seiten der Polizei nennt. Auf Seiten der Demonstranten wird die Anzahl der Festgenommenen genannt.
Die Erzählung zeigt einen Tag, den die drei Freunde Vince, Saïd und Hubert verbringen. Inmitten einer Zeit der Unruhen, der permanenten Auseinandersetzung mit der und Schikane durch die Polizei. Sie alle wohnen noch bei ihren Familien. Ohne Job gibt es auch keine Aussicht, da so bald rauszukommen. Vince (Vincent Cassel) ist zerfressen von der Wut, die in ihm tobt. In einer Szene sieht man ihn vor dem Badezimmerspiegel. “Redest du mit mir? Laberst du mich etwa an?” Er streckt den Arm nach vorne, die Hand zur Waffe geformt. Er geht keiner Konfrontation aus dem Weg, provoziert von sich aus. Ist bei den nächtlichen Unruhen mit dabei, aber haut ab, wenn es eng wird. Saïd (Saïd Taghmaoui) ist kein Kind von Traurigkeit. Er hat immer eine Geschichte auf Lager, kennt alles und jeden im Viertel. Er hält sich von den Ausschreitungen fern, hält nichts von der Gewalt, will aber irgendwie immer mit dabei sein. Hubert (Hubert Koundé) hat in den vergangenen zwei Jahren versucht, sein Leben in die Hand zu nehmen und im Viertel eine Boxhalle eröffnet. In der vorigen Nacht wurde sie im Zuge der Ausschreitungen zerstört, eine Auto in der Halle wurde in Brand gesetzt, alles andere kurz und klein geschlagen. Hubert ist ruhig, kann Mitgefühl und Liebe zeigen, sieht weit genug um zu wissen, dass Hass Hass nach sich zieht und er schnellstens aus dieser Ecke raus muss. Sie alle drei sind Kinder ihres Viertels, eines Viertels, in dem die Arbeitslosigkeit weit über dem Landesdurchschnitt liegt, in dem die Versprechungen der Politik im puren Zynismus untergehen, in dem das Leben nur im Hier und Jetzt stattfinden kann, weil für alles andere der Halt und die Vorbilder fehlen.
Vor zwei Tagen ist Abdel, ein Freund der drei, von der Polizei ins Koma geprügelt worden. Für Vince ist dies die Möglichkeit, seinen Hass gegenüber der Polizei konkret fassen zu können. Wenn Abdel stirbt, will er die Balance wieder herstellen. Mit einer von einem Polizisten verlorenen Waffe. Aber eigentlich geht es um einen Tag, den drei Jungs aus einem Ghetto genannten Viertel versuchen, irgendwie rumzukriegen. Der Film zeigt die Langeweile, das Warten auf Irgendetwas. Der Film zeigt die drei jungen Männer, die mit ihren unterschiedlichen Charakteren aneinander gebunden sind. Die Erkenntnis, dass man sich nicht nur seine Familie, sondern auch seine Freunde nicht aussuchen kann, findet hier ihren Ort.
Beeindruckend ist die Differenziertheit, mit der die Ereignisse, die handelnden Personen, ihre Motivation und ihre Taten, dargestellt werden. Es geht nicht nur um “soziale Außenseiter versus Polizei”. Es geht genauso um all die ‘internen’ Konflikte. Sie alle versuchen, ihren Arsch an die Wand zu kriegen, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren.