die katrin

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4. June 2007
by miss sophie
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Heiligendamm – Der Auftakt: Die Anreise

06:41a.m. Eine Zahlenkombination, die das Leben in sich vereint: ein bisschen rund, ein bisschen eckig, mal geradeaus, mal um die Ecke rum. Am Sonnabend morgen war sie für uns alle der Zeitpunkt, an dem wir uns im stahlträgerwerfenden Hauptbahnhof Berlin versammelten. Gleis 6 was the place to be. Dummerweise nicht nur für uns. Da sind noch einige mehr auf die Idee gekommen, zu nachtschlafender Zeit gen Norden zu pilgern… Und noch mehr sind auf die Idee gekommen, schon am Südkreuz einzusteigen. Und noch andere sind von weiter südlich hergekommen. Und deswegen hatten wir dann 3 Stunden Ölsardinenfeeling im Eingangsbereich eines Regionalexpress. Großes Kino. Hat mich sehr bald an die re-publica erinnnert, weil Kuschelveranstaltung gab´s dann auch im Zug. Da wurde sich gegenseitig leidvoll in die Augen geschaut, daraufhin gelacht, ob der Launen des Schicksals, der müde Kopf an die Schulter des Nachbarn gelehnt, das Frühstücksbrötchen über 10 Köpfe hinweg an Freunde weitergereicht, die Zeitung in die Runde verteilt.

Bei uns in der Ecke standen u.a. 2 betagtere Genossen weit jenseits der 50. Widerstandserfahren, mit eigener Meinung gut versorgt und offenbar auch darin erfahren, früh aufzustehen und dann auch wach zu sein. Die Herren waren sehr gut darin, kurz nach 7 die ersten politischen Diskussionen anzuzetteln. Da hieß es dann: “Wir müssen eine kämpferische Revolutionsfront von unten bilden!” Derselbe Mann war aber wohl doch noch nicht ganz so wach, es entrutschte ihm ein “Das, was dieses Kabarett, äh, Kabinett da macht, …” Die Herren tauschten sich in altbekannter marxistischer Terminologie darüber aus, anhand welcher Phänomene der böse Kapitalismus erkennbar ist. Ziel seiner Argumentation war die Antwort auf die Frage, ob wir im bösen Kapitalismus leben. Antwort: Natürlich leben wir im bösen Kapitalismus, gar keine Frage, ist doch einleuchtend. Ah ja, vielen Dank für diese Erkenntnis. Wär ich jetzt nicht drauf gekommen. Weshalb stehen wir nochmal alle in diesem Zug? Nein, 7 Uhr früh nach 2 Stunden Schlaf ist keine gute Zeit, um solche Äußerungen ohne Genvervtsein und Sarkasmus auszunehmen.

Angenehmer wurde es gegen 8. Auftritt Karl Schnüffel. “Guten Morgen. Schnüffel mein Name. Karl Schnüffel vom BKA. Im Auftrag des Bundesinnenministers werden von mir hier nun Demonstranten und Terroristen erschnüffelt. Bitte stellen Sie sich dazu in einer Reihe auf.” Karl Nümmes, Liedermacher aus Berlin, steckte dahinter.

Den Rest der Zugfahrt verbrachte ich damit, Ernst Cassirers Ausführungen zur Tragödie der Kultur zu folgen, einem Freund Luhmanns Kulturbegriff in wenigen Sätzen näher zu bringen, im Stehen zu schlafen und dem Ganzen das Positive abzugewinnen. Kurz vor Rostock aber war klar: so langsam werden hier alle wahnsinnig. Die einen haben seit mind. 1 Stunde kein Wort mehr von sich gegeben. Bei anderen zieht sich die Stirn in immeren größeren Falten zusammen, während die Augen nicht mehr von leichtem Unbehagen, sondern mehr von stärker werdendem Schrecken berichten (ich bin geneigt, ein Kotztütchen bereit zu halten). Der endgültige Sauerstoffmangel machte sich an den Abiturienten des nächsten Jahres bemerkbar. Sie begannen, Lieder à la “Mein Hut, der hat 3 Ecken…” zu singen. Zum Beispiel über Tomatensalat. Also, genau genommen war Tomatensalat der einzige Text. Der wurde dann in diversen Tonfolgen in die Runde geträllert. Da hatte ich also meine Tragödie der Kultur, live und in Farbe.

Die Ankunft in Rostock glich der Langstreckenreise im Trabi. War man im Trabi unterwegs und das Auto hielt, hieß es immer zuerst raus da und dann überlegen, wie weiter. (Sehr schön zu sehen im FIlm “Go, Trabi, go”) Wir also erstmal inmitten aller anderen Zugreisenden raus aus dem Bahnhof auf den Vorplatz, um uns dort darüber klar zu werden, dass wir ja zum Camp wollen und dazu mit der S-Bahn fahren müssen…

4. June 2007
by miss sophie
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Wir sind wieder da

Wat´n Wochenende.
Da kommt mensch nach 2 Tagen Demo und Konzert, (Geister-)Stadt kennenlernen, nicht ganz so legal campen, Ostseeluft schnuppern und Bahnodyssee mit großen Lachern hinter sich bringen nach Hause… und dort wird gleich weiter gefeiert.
Meine liebe Mitbewohnerin hat 3 Jahrzehnte auf diesem Erdball hinter sich. Die Wanne ist gefüllt mit Bier, die Anlage aufgedreht und die Bude voll. An Duschen oder gar Bloggen ist da nicht zu denken. Das mach ich dann jetzt mal im Laufe des Tages.

27. May 2007
by miss sophie
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In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Matthias vom Hauptstadtblog hat seine Verwunderung über studentische Protestaktionen an der HU zum Ausdruck gebracht.
Bei dem Protest geht es darum, auf negative Konsequenzen der derzeit laufenden Exzellenzinitiative der Bundesregierung hinzuweisen. Die Mitarbeiter an der Antragstellung besteiligten Lehrstühle können die Betreuung der Studierenden derzeit nur eingeschränkt wahrnehmen. Doch das eigentliche Problem ist die Zukunftsaussicht. Es werden Forschungsprojekte für einzelne Fächer entwickelt. Hierfür werden extra Gelder von der Bundesregierung vergeben. Nach ABlauf des Projektzeitraums sollen, bei entsprechendem Erfolg des Projektes, diese Forschergruppen natürlich beibehalten werden. Doch von welchem Geld? Von den Mitteln der Universität – die von Jahr zu Jahr weniger werden. Die Gefahr, dass gerade diejenigen Fächer weggekürzt werden, die nur wenig messbare “Leistung” bringen und im öffentlichen Bewusstsein eine geringe bis gar keine Rolle spielen, liegt auf der Hand.

Matthias vom Hauptstadtblog findet die derzeitigen Entwicklungen in der Hochschullandschaft begrüßenswert. In den Kommentaren gibt es auch eine etwas längere Erläuterung von ihm, wie er sich eine weitere Entwicklung vorstellen könnte. Darauf habe ich reagiert und die gesellschaftspolitischen Implikationen der derzeitigen Entwicklungen betrachtet.

Zum Stichwort eines strafferen Studium sagt Matthias: “Wer schnell studiert, kommt eher auf den Arbeitsmarkt und setzt seine Arbeitskraft produktiv für die Gesellschaft ein.”
Wer schnell studiert, lernt im Zweifelsfall schnell auswendig. Was dann fehlt, ist das Durchdenken der Inhalte, die gelernt werden. Wer von einer Vorlesung zur nächsten, von einer Klausur zur nächsten sein Studium denkt und organisiert, konzentriert sich vornehmlich auf die Fakten, die abgeprüft werden. Diese Fakten können dann gut eingesetzt werden auf dem Arbeitsmarkt. Was jedoch in den Hintergrund tritt, ist das Nutzen des (geistigen) Raumes, um über den Tellerrand zu schauen, Bezüge zu anderen Lebensbereichen herzustellen. Zum Beispiel Wissen über Personalmanagement: Der BWLer nimmt aus seinem straffen Studium das Wissen über die Eckpunkte der verschiedenen Theorien mit, kennt die Anwendungen aus Beispiel-Unternehmen. Fragen über psycho-soziale Faktoren und deren Relevanz waren zwar schon zu Diplom-Zeiten eher dünn gesät (liegt wohl auch eher am Interesse der BWL), werden aber mit einer Straffung im Bachelor noch weniger Raum bekommen, da die Studierenden auf Grund des Diktums “Ihr müsst schnell fertig werden!” von sich aus diesen Raum ablehnen, um nur ja nicht den schnellen Abschluss zu gefährden. (Ein Phänomen, das sich übrigens auch in den Geisteswissenschaften zeigt.) Die Menschen, die dann ihr Arbeitskraft produktiv einsetzen, werden vor allem ihr Fakten-Wissen einsetzen. Die kritische Auseinandersetzung mit den zu erledigenden Aufgaben im Unternehmen, die folglich im Studium schon kaum gefördert wird, wird dann auch im Arbeitsalltag nicht stattfinden.

Matthisas: “Universität bedeutet […] Wissenschaftlichkeit”.
Was heißt aber Wissenschaftlichkeit? Menschen versuchen, die Welt in all ihren Facetten zu verstehen und zu erklären. Dazu stellen sie Thesen auf, beobachten die Welt (in welcher Reihenfolge auch immer) und ziehen anhand bestimmter Begriffe Rückschlüsse auf die Funktionsweise des untersuchten Gebietes. In diesem Verfahren ist das freigeistige Sammeln genauso wichtig wie der Rückgriff auf als gesichert geltendes Wissen. In der Verbindung beider liegt Fortschritt. Wenn im Laufe des Studiums den jungen Menschen in ihren Lehrveranstaltungen nur eine Seite präsentiert wird, wird das Denken und Handeln einseitig geprägt.

An diesem Punkt wie auch zur Frage der kritischen Auseinandersetzung kommt häufig der Einwand, dass Menschen zum Zeitpunkt ihres Studiums ja alt genug seien, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Das stimmt. Wo aber soll die Methodik der kritischen Hinterfragung herkommen, wenn das gesamte Bildungssystem und dazu parallel laufend die allgemeine, in unserer Gesellschaft vorherrschende Wissens- und Lernkultur auf den Slogan “Fakten, Fakten, Fakten” reduziert wird?
Wenn von allen Seiten her Leistung und prüfbare Ergebnisse gefordert werden, liegt ein strukturelles Problem vor. Wenn immer seltener Sachverhalte in ihren Pros und Contras innerhalb der (öffentlichen) Diskussion beleuchtet werden, wenn kritisches Denken schlimmstenfalls als hinderlich für die Entwicklung unserer Gesellschaft angesehen und abgelehnt wird, dann werden auch unsere Kinder dies nicht in ihr Denken und Handeln übernehmen.
Die Fähigkeit, “selbst zu denken”, fällt nicht vom Himmel, ist nicht einfach da. Sie prägt sich durch das Leben inmitten einer Gemeinschaft ein. Und je nachdem, wie eine Gemeinschaft aussieht, werden die jungen Menschen sich in ihr entwickeln.

26. May 2007
by miss sophie
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Ich möchte weinen.

Neulich mit einem Kunden:

Kunde: Hallo. Meine Lieferung ist noch nicht da. Was können wir machen?
Online-Shop: Nun, wir müssen die Lieferung als verloren einstufen. Wir werden die Bestellung erneut verschicken. Können Sie uns hierfür eine andere Adresse geben? Nur um sicher zu gehen.
Kunde: Nein, geht leider nicht. Ich hab nur die eine zur Verfügung.
(Nun gut. Sozial isolierte Menschen gibt es, zu hauf. Da will mensch dann nicht taktlos sein und nachfragen, ob nicht eventuell doch, also…)
Online-Shop: Nun denn. Dann nutzen wir die bisherige Adresse. Päckchen geht heute raus.
Kunde (2 Tage später): Vielen Dank. Soll ich für die nächste Bestellung dann vielleicht besser die Adresse eines Freundes nutzen?

…AAARGHH!!!

23. May 2007
by miss sophie
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Fußballfieber

Noch anderthalb Stunden. Dann startet die Wiederauflage des grandiosen Chamions-League-Finales von 2005. Die Akteure sind der FC Liverpool und AC Mailand.

Uuuuhh, was bin ich aufgeregt.

22. May 2007
by miss sophie
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Traumdeuter gesucht

Handelnde Personen: die Träumende, deren Partnerin und der beste Freund der Partnerin.

Handlung: Die Partnerin und der beste Freund sind auf Enten-Jagd, mit Enten-Pfeifen und allem Drum und Dran (ja, wie in der Kitekat-Werbung – btw, schön, dass die wieder zu sehen ist). Die Träumende steht nebendran und beobachtet das Schauspiel. Die Partnerin nun erblickt eine Ente, setzt an und schießt. Dummerweise hockt die Ente direkt neben der Träumenden, die Partnerin trifft – den Fuß der Träumenden, quer entlang von einem Knöchel zum anderen, glatter Durchschuss.

Frage: “Ich weiß nicht, was soll es bedeuten”, wenn man träumt, dass die Freundin einem in den Fuß schießt, wenn auch vermuteterweise unbeabsichtigt. Unterdrückte, aber dennoch wahrgenommene Aggressionen seitens der Partnerin? Die Befürchtung, dass diese Aggressionen eigentlich jemand anderem gelten, aber in der Partnerschaft ausgelebt werden? Ganz was anderes?
Traumdeuter und (Laien-)Psychologen vor! Was denkt ihr?

Die Frage ist übrigens durchaus ernst gemeint.

21. May 2007
by miss sophie
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Die Kriminalisierung unserer freiheitlichen Grundsätze

Der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2006 (in seiner Vorabfassung) enthält zur Frage, welche Themen für linksextreme Gruppierungen relevant(er) werden, einen interessanten Part:

Linksextremisten werten die Verschärfung der Sicherheitsgesetze nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als eine neue Qualität “staatlicher Repression”. Sie nehmen auch die Sicherheitsmaßnahmen zur Fußballweltmeisterschaft 2006 und zum bevorstehenden G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm (vgl. Nr. 2) zum Anlass, den aus ihrer Sicht permanenten Ausbau des Überwachungsstaates und die repressive Wirkung der dabei eingesetzten neuen Technologien anzuprangern, wie z. B. RFID-Chips, Gen- oder Biometrische Datenbanken, Kameraüberwachung öffentlicher Plätze.

Aus dem Verfassungsschutzbericht 2006 (Vorabfassung), Seite 191.

(via)

Es ist immer mit Vorsicht zu genießen, wenn aus einer Äußerung der Umkehrschluss gezogen wird, denn im seltensten Fall lassen sich eineindeutige Beziehungen ausmachen.

Aber wenn eine Frau Merkel, ihres Zeichens Bundeskanzlerin und somit zweithöchstes Staatsoberhuapt unseres demokratischen Landes, zur “Notwendigkeit” der Überwachung öffentlicher Plätze fordert, es solle nicht darüber diskutiert werden, sondern “das sind Dinge, die muss man einfach machen”, wenn eine Frau Merkel auf dem Bürgersteig fahrenden Fahrradfahrer in ein Argument mit innerer Sicherheit zusammenpackt, dann ja dann dreht sich mir nicht nur der Magen um.

(DirektMerkel, via)

Wenn dazu ein Demonstrationsverbot verhängt wird, das nicht nur gewaltbereite Gruppen, sondern alle Kritiker des G8-Gipfels trifft, dann ist ein Tor geöffnet, das jegliche kritische Äußerungen gegenüber den politischen Handlungen unserer Repräsentanten als extrem einstuft und ggf. staatlich verfolgt.

In diesem Sinne hier meine Positionierung:

linksextrem

(Das Logo basiert auf einem Bild von eltercero)

ps: So, Herr Grau, und was machen wir morgen?