1993 trat er das erste Mal so richtig ins Bewusstsein des europäischen Basketballs. 1993 besiegte Deutschland im Finale mit einem denkbar knappen 71:70 Russland und wurde Basketball-Europameister. Schon vorher hatte er sich mit seinen langen Zotteln (auch Haare genannt) und seinen krachenden Dunkings als Flying Henning Harnisch in die Herzen der Fans gespielt und es zum Basketballer des Jahres gebracht. Sympathisch nicht nur auf Grund seiner Buchhändlerlehre und seinem Filmwissenschaftsstudium. Er war immer einer, den mensch gerne im Interview hat reden hören. Unter anderem, weil die Antwort auf Fragen à la “Wie fühlen Sie sich jetzt” direkt im Anschluss an ein Spiel in seinem Seitenblick auf den Reporter lag: “Was? Du bist auch einer von denen, die nie Sport im Wettkampf erlebt haben und deswegen jetzt so dumme Fragen stellen müssen?” Und weil die ausgesprochene Antwort auch gerne mal den Reporter dumm hat dastehen lassen. Was haben wir uns hier in Berlin ein Loch in den Bauch gefreut, als Henning Harnisch, der Große des deutschen Basketballs, 1996 zu Alba wechselte. Und wie groß war der Respekt, als er nach der Saison 1997/98 sein Karriere-Ende verkündete. Grund: Sein Körper begann in dieser Saison die ersten Kämpfe mit den Anforderungen des Profisports, mehrwöchige Pausen kamen häufiger vor. Er wollte nie zu denen gehören, die sich fit spritzen, nur um möglichst lange dabei zu bleiben. Er hörte auf, als sein Körper ihm signalisierte: Es ist soweit.
Danach blieb er in Berlin. Ich habe ihn ein paar Mal an der Uni gesehen. Noch während seiner Zeit bei Alba schrieb er eine Kolumne in der taz. Mittlerweile ist er Team Manager und Vizepräsident bei Alba und kümmert sich um organisatorische Belange bei der Spielerwahl und betreut auch die aktuellen Spieler.
Hennning Harnisch hat immer ein bisschen mehr wahrgenommen als das Spielfeld und die Bank, hat immer ein bisschen weiter geschaut als bis zum nächsten Spieltag. Da passiert es dann, dass auch mal eine Ode an den Berliner Frühling bei rauskommt. Schön, wenn das dann einen Platz auf der Seite des Arbeitgebers findet.
Das Zweitwichtigste: Es gibt einen Award für Bloggerinnen. Gesucht wird die BLOGine 2007. Die Abstimmung läuft seit heute, also husch husch abgestimmt.
Das Drittwichtigste: Meine Wenigkeit gehört zu den Nominierten. Daher gönn ich mir jetzt auch das Nachfolgende:
Eines Morgens wacht er auf und weiß, etwas ist anders. Er steht auf, geht in die Küche, setzt Kaffee auf. Er geht zurück ins Schlafzimmer, zieht sich an, geht zum Bäcker. Er kommt zurück in die Wohnung, deckt den Frühstückstisch, sie ist gerade im Bad. Sie kommt in die Küche, schmiegt sich an ihn, will einen Kuss von seinen noch weichen Lippen rauben. Er lässt ihren Wunsch gewähren, spürt ihrer beider Lippen sich berühren, nimmt wie immer ihren Kopf in seine Hände. Sie spürt das Beben ihrer Lippen, ihr fehlt das Beben seiner Lippen, es ist früh am Morgen. Er nimmt seine Hände von ihr, schnell wollen sie weg, das Unbehagen mit dem Aufschneiden der Brötchen verdecken. Sie schaut ihn an, hofft auf die Kraft seiner lächelnden Augen, kann nur seinem Blick auf den Tisch folgen. Er beißt in den weichen Teig, sieht auf den Teller, spürt seinen Körper sich entfernen. Er sitzt reglos da, sein Geist und sein Magen geraten in einen Strudel, entfernen sich immer weiter von diesem Tisch. Er blickt auf ihre Hände, wünscht sich, er würde sich wünschen, sie jetzt zu berühren. Er kann nicht, steht auf, geht ins Bad. Eines Morgens geht er aus dem Haus und weiß, etwas ist anders.
Die Müdigkeit zieht einen Schleier vor deine Augen. Die morgendliche Rush Hour zieht gemächlich an dir vorbei. Die Musik in deinen Ohren verbündet sich mit dem Schleier. Die Melodie lässt dich schwebend den Weg nach Hause finden. Auch der Kaffee hat sich heute mit dem Schleier zusammengetan, ein cremefarbener Gaze-Vorhang zwischen dir und dem Rest der Welt. Die Gewohnheit trägt dich in die Uni. Der Rest an Wahrnehmung des Hier und Jetzt und Draußen setzt dir deine Sonnenbrille auf, krempelt dir die Hosebeine hoch, lässt die warme Luft um deine Nase wehen. Dieser letzte Rest ist es auch, der dich gut organisiert in die Tiefen des hauseigenen Wissensarchivs führt. Schicht um Schicht wirst du dort freilegen. Eine Spur zieht zehn weitere nach sich. Kein Wort geredet bis jetzt. Die Stimme in dir plappert munter drauflos. Du freust dich aufs Mittagessen. Auf den ersten menschlichen Kontakt an diesem Tag. Du lässt dein Wochenende Revue passieren. Lächelst bei den Regungen deines Körpers, der die Revue mit leiser Aufgeregtheit begleitet. Die konkrete Vorstellung einer Unterhaltung aber lässt deine Zunge schwer werden. Deine Stimmbänder gönnen sich den Schlaf, den du nicht kriegst. Wie von selbst kopieren sich derweil die Aufsätze. Wie von selbst wirst du nachher von deinem Wochenende erzählen und Pläne für die nächsten Wochen schmieden. Etwas anderes in dir hat die Leitung übernommen. Begleitet von der leisen Aufgeregtheit deines Körpers.
Die Gewaltdelikte mit rechtsextremem Hintergrund sind laut aktuellem Sicherheitsbericht um 14% gestiegen. Durchsuchungen im großen Stil mit teils vagem Verdachtsmoment wurden darum nicht durchgeführt.
Stöckchenweitwurf, die 1.535.929.758.392ste. Heute auf dem Programm: die Sesamstraße. Geworfen hat das Fräulein Julie. Das Spannende wird nun sein, irgendwie von der Tatsache abzulenken, dass ich in meinem Leben niemals nicht bewusst und regelmäßig dieses Kleinod der Fernsehgeschichte in mir aufsaugte.
Welchen Charakter aus der Sesamstraße fandest du am coolsten? Den Hund Moppi, weil er immer so bärig daherkam und so spitzbubenlike. Und Schnatterinchen für ihre aufgeregt ausgerufenen Sätze: “Drüben (lufthol) an der alten Eiche hängt ein Telefon. Geduldet euch. Gleich kommt Hilfe.” Nak nak. In feinstem Hochdeutsch ausgerufen. Moppel, Schnatterinchen? Pitti Platsch! Als ich von den Sesamstraßenerinnerungen bei euch las, musste ich unwillkürlich an Pitti Platsch denken. Das ist dann wohl mein Kindheitsäquivalent.
Natürlich hatten auch wir damals Westfernsehen. Aber da habe ich immer nur Remington Steele und Hart, aber herzlich geguckt. Mit meiner Mum zusammen. Als dann der offizielle Zugang zu den Formaten des Westens üblich wurde, habe ich sofort mit den Comicserien am Wochenende und so Sachen wie Berverly Hills 90210 begonnen. Für die Sesamstraße war da irgendwie kein Platz… Es gibt übrigens Ernie und Bert bei uns an der Uni live und in Farbe. Zwei Dozenten, beide jenseits der 60. Beide immer ein bisschen unbeholfen, wenn es darum geht, Diskussionen mit den Studierenden souverän zu meistern. Beide sich immer gegenseitig ins Wort fallend. Wie´n altes Ehepaar. Und Bernd, das Brot haben wir auch. Aber das ist ja wieder was anderes. Um aber doch nochmal auf die Frage zurückzukommen. Der Herr Stein erzählte am Sonntag, was es denn mit den Yipp Yipps auf sich hat. Flashmob in der Sesamstraße. Die hätt ich vermutlich auch dolle gern gehabt.
Wen konntest du nicht leiden? Pitti Platsch fand ich ja nich so dölle. Um den wurde immer ein Hype veranstaltet. Grauenhaft. Und den seine Stimme war einfach immer viel zu hoch gepitcht. Aber ich merke grad, das fing früh an mit dem Interesse für die Dinge und Menschen, die abseits des großen Mainstream stehen.
Kannst Du ein Lied aus der Sesamstraße auswendig? Welches? Nö. Aber was immer gut funktioniert im Kreise meiner Fanclub-Kollegen ist das “manna manna…”-Lied. Einer stimmt an: “manna manna”. Wer anders stimmt ein: “badibadidi”. Einer: “manna manna”. Wer anders: “badibadidi”.
Was hat dir die Sesamstraße beigebracht? Könnte nicht behaupten, dass Pitti Platsch mir konkret was beigebracht hätte, außer dass drüben an der alten Eiche ein Telefon hängt. Aber ich beginne zu ahnen, dass diese krude Mischung aus Anstand-Höflichkeit-Respekt und Abneigung-gegen-die-totale-Anpassung (was regelmäßig in kognitiven Löchern endet) seinen Ursprung u.a. im DDR-Vorzeige-Format hat.
Und was machen wir morgen? Morgen? Morgen werden wir die Weltherrschaft erobern! Aber vorher darf der cosmocroc noch in seinen Erinnerungen wühlen.
Das Schlimmste daran ist, dass immer im ungünstigsten Moment die Motivation, etwas bestimmtes zu tun, am Größten ist. Jetzt würde ich mich gerne hinsetzen und die ganzen liegen gebliebenen Kundenanfragen bearbeiten. Doch jetzt sollte ich mich hinsetzen und den Text für mein 12-Uhr-Seminar lesen. Bei diesem Seminar sollte ich anwesend sein, wenn ich auch nur ansatzweise ernsthaft dort einen Schein machen will. Nur kann ich mich nur schwer auf den Text konzentrieren, wenn die ganzen vielen Kundenanfragen in meinem Hirn rumwabern. Und wenn ich morgen früh die Kundenmails bearbeite, werde ich wieder größte Lust verspüren, den Text für mein Freitags-Seminar zu lesen, der ja auch noch ansteht. Dies wird mir die Motivation rauben, die Anfragen zu bearbeiten. Und dann dauert das alles im viel zu lange, im Vergleich zu dem, was noch zu tun ist. Zwischendrin ruft irgendwas in mir drin nach Entspannung und lässt mich einen ganzen Abend mit den Gilmore Girls, Dr. House und den jungen Ärzten im Seattle Grace Krankenhaus verbringen. Was mir wieder ein schlechtes Gewissen und innere Unruhe beschert, denn eigentlich hätte ich gestern abend noch eine E-Mail an eine Dozentin schicken müssen. … Und so wird das schön weiter gehen. Bis Mitte Juli.