die katrin

my photography & other stuff

17. September 2009
by miss sophie
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Indien verlangsamt das Denken.

Womit ich Indien gerade sehr unrecht tue. Denn eigentlich ist es das Wetter in Kombination mit der Einflugschneise und einer Autoalarmanlage, das einen hier unfähig zu irgendetwas macht. Mittlerweile geht’s schon wieder. Stete 32°C bis 34°C sind aushaltbar. An die Flugzeuge gewöhnt man sich so ein bisschen. Und die Alarmanlage… nein, die bleibt einfach immer nervig.

Ende Juli, Anfang August lief das ungefähr so:
5:30am: Der morgendliche Schub an Flugzeugen entert den Delhi International Airport. In den kommenden 2 Stunden landen die Kerosinspechte im 10-Minuten-Takt.

6:30am: Kommt ein Flieger qua unfähigem Piloten in gefühlter Höhe von 500m rein, springt vor lauter Schreck die Alarmanlage eines Autos hier vor der Tür an. Die Alarmanlage spielt dann der Reihe nach alle Polizeisirenentöne dieser Welt ab, bis sich der Besitzer mal aus dem Bett bequemt.

7:00am: Das Alarmanlagenauto wird geputzt. Natürlich nicht vom Besitzer. Natürlich hat der Putzer keinen Schlüssel. Natürlich springt die Alarmanlage an.

7:10am: Das Herz rast immer noch vor lauter Schreck. Jetzt ist’s auch egal. Raus aus den Federn.

8:00am Das Thermometer kratzt bereits an der 30°C-Marke. Flucht vom Balkon in die ventilatorgekühlten Räume. Schnell noch die nächste Unterrichtsstunde vorbereiten. Es ist ein Wettlauf mit der Temperatur. Schaffe ich das Arbeitsblatt und die Spielerunde, bevor es 36°C sind? Natürlich nicht. Das Wetter gewinnt. Wie immer.

11:30am: Die Hunde liegen hier einfach wild in der Gegend rum und dösen. Ich möchte mich einfach nur noch dazulegen… Die Mittagspause beginnt hier gegen 13:00 Uhr. Ich frage mich jeden Tag aufs Neue, wie die das alle bis dahin aushalten.

3pm: Huch! Wo ist denn die Zeit hin? Ich hab doch nur kurz was gegessen! Naja, gehe ich mal schnell was einkaufen. Raus in die Hitze, den vielen Verkehr, den Lärm und den Staub.

5:30pm: Zurück vom Einkauf. Ich versuche mich zu wundern, warum der Einkauf jetzt genau 2.5 Stunden gedauert hat, obwohl ich doch nur um die Ecke war und nur in 2 Läden kurz 3 Dinge gekauft habe. Irgendwo zwischendrin bleibt mein Hirn stecken. Es reicht noch zu einer Zigarette auf dem Balkon. Dann mal in die Feeds schauen.

7:00pm: Abendessen. Danach muss ich dann aber ganz dringend noch das Arbeitsblatt und die Spielerunde fertig machen.

10:00pm: Müde. Wovon auch immer.

11. September 2009
by miss sophie
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Eine Besucherin nach dem Muse-Konzert:

“Muse. Ja, da muss ja immer erstmal ein paar Mal reinhören, bevor das zündet.” Was? Seid ihr bescheuert? Muse ist eine der wenigen Bands, die einen beim ersten Hören sofort und ohne Umschweife auf den Mars katapultiert. Und wenn die Jungs das nicht beim ersten Durchlauf schaffen, dann ist alles andere nur Gewöhnung an niedrigere Qualitätslevel.

Gewöhnung my ass. Das neue Album “The Resistance” ist schwach, überladen mit Arrangements und geht Kompromisse ein. Und nein, das ist kein “früher waren sie besser”. Das ist wenig ausgereiftes Herumprobieren, dem ein Produzent vielleicht doch ganz gut getan hätte.

10. September 2009
by miss sophie
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Von Kunden, Königen und einem anstehenden Massaker.

Neulich war ich im Palika Bazar. Das ist ein Untergrundlabyrinth mit drölfmillionen Shops, in denen Klamotten und zugehöriger Kleinkram sowie jede Menge Elektroschrott verkauft wird. Jeder Händler hat geschätzte 4qm Platz für seine Auslagen. Auf jeden Marktbesucher kommen 4 Verkäufer. Jede Menge Zeit, den entlang schlendernden potenziellen Kunden gehörig auf die Nerven zu gehen. “Mam, excuse me, Mam!” “Mam, look here!” “Excuse me, excuse me, Mam, excuse me!” Mam hier, Mam da. Es ist einfach nur unfassbar aufdringlich. Und kaufen tu’ ich bei solchem rumgemamme erst recht nix. Blöd für die Händler. Denn aus dem Augenwinkel sahen einige Sachen ganz interessant aus.

Ich raff’s einfach nicht, wie die hier ticken. Also zuerstmal gibt es hier ein ausgeprägtes Verständnis von Kundenservice. Nichts schlechtes soweit. In jedem Laden gibt es pro Quadratmeter mindestens 1 Angestellten. Irgendwie müssen diese Massen an Menschen sich ja beschäftigen. Mittlerweile bin ich sogar schon verwirrt, wenn ich nach den ersten 3 Metern immer noch alleine rumstehe. Wenn man dann sagt, man möchte erstmal nur schauen, dann wird man etwas verwirrt zurückangeschaut, aber häufig genug dann doch in Ruhe gelassen. Man kann sich allerdings sicher sein, dass der Angestellte immer wenige Schritte hinter einem ist. Man könnte ja doch eine Frage haben. Oder sich gar ein Oberteil aussuchen. Das mensch dann tunlichst nicht selbst tragen darf. Wäre ja unhöflich vom Verkäufer, dem Kunden so etwas zuzumuten… Das wiederum wirft eher ein interessantes Licht auf die geldhabenden Inder hier, aber nun gut. Dieser Aspekt kundenorientierten Verkaufens ist allerhöchstens für servicewüstengewöhnte Deutsche irritierend und ansonsten recht entspannend.

Kommen wir zu Stufe 2. Wann immer man etwas bestimmtes sucht, das Gesuchte findet und sich zu allem Glück zum Kauf entscheidet, passiert hundertprozentig eines: Es folgt ein Angebot für etwas dazu Passendes. Das ist nervig an Tagen, an denen morgens das linke Bein den Boden zuerst berührt hat. Ansonsten eigentlich auch eine nette Geste und mit einem freundlichen “No, thank you” sind die meisten dann auch zufrieden.

Bliebe noch Stufe 3. Man geht in einen Laden, zum Beispiel in den großen Tante-Emma-Laden hier auf dem Campus. (Alle Läden auf dem Campus sind Tante-Emma-Läden, sie unterscheiden sich nur durch groß/klein und mit Obst/ohne Obst. Ansonsten haben sie alle grob dasselbe Angebot.) In dem großen Tante-Emma-Laden gibt es eine 1qm-Ecke mit Drogerie-Artikeln und minimum 3 Angestellten auf diesem Fleckchen. Der scheele Blick geht zur Zahnpasta und zack! stehen 2 Leute neben einem. Und wehe, ich greife zur simplen Standard-Zahnpasta. Oh Weh! Oh nein! Es muss die gute 100%-Kräuter-Zahnpasta sein! Gedanken an und Vorurteile über den Prenzlauer Berg erscheinen vor meinem geistigen Auge, ich wische sie weg und antworte freundlich : “No thanks, I’ll take this one.” “But, Mam, look, blablabla.” [schon etwas gereizt:] “No, thanks!” “But, Mam!” …
Dank meiner guten Kinderstube bin ich bislang noch nicht ausgetickt. Aber irgendwann wird das passieren, denn zuallererstmal finde ich es total respektlos, die Entscheidung eines anderen Menschen permanent in Frage zu stellen. Sind die hier alle einfach so verzweifelt? Jemandem ständig mit der gleichen Frage hinterrennen und ständig abgewiesen zu werden. Wo bleibt da der Selbstrespekt?

Da ist es geradezu erholsam, wenn man in einen Laden kommt und die einzigen Verkäufer (wie bei der Galeria Kaufhof in Berlin) mit sich selbst beschäftigt hinter der Kasse stehen und quatschen.

16. August 2009
by miss sophie
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Jetzt ist er da, der Regen.

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Der diesjährige Monsun ist laut Aussage der Ansässigen ein schwacher dieses Jahr. Der Sommer war mit Spitzenwerten um die 43-44°C schon heiß. Die Monsunzeit ist mit Regen alle 7-9 Tage bislang nicht wirklich erholsam gewesen. Nun ist er da. Und hat mich ein bisschen überrascht.

Wenn Menschen vom Wetter in anderen Regionen sprechen, zumal den Tropen, dann klingt das immer total exotisch. Monsun. Das ist wilder, peitschender, stürmender Regen. Stets und ständig ist es nass. Warm, aber nass. Und nun in selbst erlebt? Es fühlt sich an wie der diesjährige Juni und Juli in Berlin. Exotisch ist hier nur Flora & Fauna. Der Regen hatte in etwa dieselbe Intensität. Nur zwischendrin ist es hier wärmer. Wenn’s so richtig huscht, bleibt hier auch erstmal jeder unter einem trockenen Dach.

Aber anders ist natürlich schon auch. In Berlin kommt meistens so eine kurze, kräftige Husche runter. Nach 10-15 Minuten ist der Spuk vorbei und es regnet sich soweit ein, dass man auf die Straße gehen kann. Hier kann die kräftige Husche auch schonmal 1 Stunde dauern. Da macht jeder Abflusskanal irgendwann dicht. Hier sind nach jedem Regen die Kreuzungen nur noch zur Hälfte befahrbar. Aber der angenehmste Teil in den Unterschieden: die Art, wie die Leute das hier aufnehmen. Es passiert halt sowieso ständig. Also wartet man und trinkt Tee. Unterhält sich. Raucht eine. Und macht sich auf den Weg, wenn dieser wieder sicht- und erkennbar ist. Jetzt ist es natürlich nicht so, dass die gesamte Stadt still steht, nur weil da ein paar Dutzend Kubikmeter Wasser runterkommen. Aber ich sehe hier bei weitem nicht so viele genervte Gesichter während des Regens.

15. August 2009
by miss sophie
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Eine Stadt ist dann am Schönsten, wenn sie leer ist.

Freitag nacht gegen zwei sind wir mit dem Auto durch die Stadt gefahren. Erst zwischen den Wohnblöcken hindurch. Dann die großen Straßen entlang. Die Nacht über hatte es geregnet und das tat es auch jetzt wieder. Überall der Glanz einer Glück verheißenden Abkühlung. Glitzer auf den Straßen. Glitzer an den Bäumen. Glitzer an den Wellblechen. Die nicht vorhandenen Bürgersteige leer. Selbst unter den Bäumen keine in Tücher gehüllten Körper. Keine Hunde. Keine anderen Autos. Keine Busse. Nur an dieser einen Kreuzung eine einzelne Riksha.

Und dazu laut aufgedreht die Goo Goo Dolls mit Iris.

(Direktpuppen)

11. August 2009
by miss sophie
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Regen.

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Nach gefühlt einer halben Ewigkeit regnet es gerade wieder. Und es tut so unglaublich gut. Vor allem, weil ich es gerade noch rechtzeitig nach Hause geschafft habe. romantic rain ftw!

Beim letzten Regen sind wir mitten in die größte Husche hineingeraten. Meine Mitbewohnerin, ihre Schwester und ich haben uns in eins der Hostels hier geflüchtet und dort gewartet. Und gewartet. Und gewartet. Und gewartet. Und ge…

Das ist dann jetzt also dieser Monsun, von dem immer alle reden, der in diesem Jahr viel zu selten und viel zu wenig Wasser nach unten schickt und der mal eben so die gesamte Tagesplanung über den Haufen werfen kann. Im Grunde könnt ihr euch das alles sehr leicht vorstellen. Das ist dieser starke Regen, der diesen Juli auch in Berlin ständig runterkam. Nur dauert das hier dann ein bisschen länger. Hier auf dem Campus-Gelände verläuft so ein Regen immer recht glimpflich. Die JNU wurde auf altem Tropengelände gebaut und extrem viel Grünfläche kann hier nach wie vor extrem viel Wasser aufnehmen. In den bebauten Gegenden der Stadt sieht das schon etwas anders aus. Da füllen sich Kreuzungen. Ein paar Baustellen dürften ebenfalls wegsacken. In Nord-Delhi rund um das Hostel einer Freundin wird das Wasser vermutlich wieder kniehoch stehen. Und stinken. Wenn man da durchwatet, kann man seine Hose auch gleich wegwerfen. Mit Romantik hat das dann nur noch herzlich wenig zu tun.

Huch. Jetzt kommt auch noch ein Gewitter dazu. Na hoffentlich hält der Strom.

10. August 2009
by miss sophie
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Rikshaw fahren.

CC by <a href ="http://www.flickr.com/photos/natarajam/3627253998/">natarajam</a>
CC by natarajam

Fortbewegungsmittel Numero uno in Indien ist die Rikshaw. Die Rikshaw gibt es in den Varianten Fahrradrikshaw und Autorikshaw. Hier bei uns im Süden, rund um die Uni, gibt es aus irgendeinem Grund nur Autorikshaws. Vielleicht sind die Distanzen einfach zu groß, um das mit dem Fahrrad abzufahren. Vielleicht ist der Verkehr auch zu krass. Keine Ahnung. Denn eigentlich sind die nächsten Einkaufszentren recht nah gelegen und genauso weit entfernt wie die Metrostation vom Hostel einer Freundin, die ich gelegentlich in Nord-Delhi besuche. Und der Verkehr ist da oben auch nicht ruhiger.

Rikshawfahren. In Reiseführern wird häufig dazu geraten, man solle die Rikshawfahrer anhalten, ihren Meterzähler anzuschalten. Nur um im gleichen Atemzug hinzuzufügen, dass die Dinger sowieso nie funktionieren. Und eigentlich wäre es ja eh am besten, wenn man den Preis schon vorher aushandelt. Da gibt es dann noch so Hinweise, dass man als Ausländer immer mehr bezahlt als die Einheimischen, da müsse man dann mit leben, aber man könne sein bestes versuchen.

Irgendwie ahnte ich schon im Vorhinein, dass das nur Ausführungen sind, die den geneigten Deutschherkünftler langsam daran gewöhnen soll, dass diese Taxameter zwar in jeder Autorikshaw angebaut sind, meist aber ausgestellt sind oder nur verkümmerte Zahlenreste anzeigen. Ich habe es genau einmal erlebt, dass dieser Meterzähler angestellt war. Aber schon beim Start war der Preis derart hoch angesetzt, dass da irgendwas nicht stimmen konnte.

Und eigentlich ist es auch egal.

Man verhandelt halt den Preis vorher. Das ist auch nichts anderes als wenn man im Laden ein Produkt haben möchte, aber das Preisschild nicht dran klebt und man dann halt fragt. Hier kommt nur noch das Verhandeln dazu. Es bietet sich an, anfangs irgendwann mal einen Einheimischen (und wenn es der Hoteljunge ist) zu fragen, wieviel er oder sie denn für diese und jene Strecke bezahlen würde. Dann schlägt man je nach Distanz noch 10,- bis 30,- Rs. Ausländerbonus obendrauf und drüber ist dann nicht. Will der Rikshawwalla mehr, wird er stehen gelassen. Meistens ruft er einem dann hinterher und man bekommt den gewünschten Preis (der – wir erinnern uns – immer noch mehr ist als bei jedem Inder). Darüberhinaus muss selten verhandelt werden.

Zwischenzeitlich hatte ich hier den Eindruck, dass Verhandeln mit älteren Männern vernünftiger wäre. Man sagt ihnen sofort den ausländerbonierten Preis, sie wissen um das gute Geschäft und sagen zu. Aber so richtig stimmt das auch nicht. Einzig alte Männer mit Brillen, die dezent an Ghandi erinnern, funktionieren nach diesem Prinzip. (Und ich wette, nachdem ich das hier geschrieben habe, wird der nächste Ghandiwalla versuchen, den Preis noch weiter nach oben zu treiben.) Es ist vermutlich eher so, dass die Rikshafahrer hier so sehr ans Verhandeln gewöhnt sind, dass sie aus dem Affekt heraus immer gleich mal einen höheren Preis sagen. Natürlich gibt es auch die wirklich dreisten Fahrer. Die sind dann aber auch jedem gegenüber dreist. Die muss man einfach stehen lassen. Das machen auch die Inder so.

Was mich ja auch noch interessieren täte: Ob es hier eine Preissteigerung in den letzten Jahren gab. Delhi selbst wird mit dem riesigen Wirtschaftswachstum immer teurer. Da wär’s mal spannend zu erfahren, ob die Preise der nicht-öffentlichen Fortbewegung ebenfalls in die Höhe schnellen.

9. August 2009
by miss sophie
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Ketchup.

In den Coffeeshops gibt es hier zu allem, was auch nur ansatzweise als herzhafte Nahrung gelten kann, Ketchup. Bei den verschiedensten Sandwiches hat es mich überrascht, aber ich konnte das noch nachvollziehen. Heute bestellte ich ein plain croissant. Und es wurde ein Schälchen Ketchup gereicht.

Das nächste Mal werde ich ein Muffin bestellen. Mal sehen…