die katrin

my photography & other stuff

8. August 2009
by miss sophie
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Zahlenspielereien.

Berlin hat eine Fläche von 892 Quadratkilometern.
Delhi hat eine Fläche von 1.400 Quadratkilometern.
In Berlin leben 3,5 Millionen Menschen.
In Delhi leben geschätzte 15 Millionen Menschen.
Berlin hat im Schnitt eine Einwohnerdichte von 3.848 Menschen je Quadratkilometer.
Delhi hat im Schnitt eine Einwohnerdichte von ca. 10.700 Menschen je Quadratkilometer.

8. August 2009
by miss sophie
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Die kleinen Erlebnisse, mit denen man hier ganze Tage zubringen kann.

Harry in Nord-Delhi auf dem Mukherjee Nagar

Harry in Nord-Delhi auf dem Mukherjee Nagar

In Indien muss man für alles Organisatorische dreimal irgendwo hin. Zum Beispiel der proof of residence. Einmal zum Institutschef das Anliegen vortragen und gesagt bekommen, dass das am Besten der Sekretär kann. Der sei morgen wieder da und ich möge mich vertrauensvoll an ihn wenden. Gang Nummer zwei zum Sekretär. (Hier sind übrigens Bürojobs quasi durchgängig mit Männern besetzt.) Der Sekretär sagt, er müsse das erst mit dem Institutschef besprechen, weil er müsse ja wissen, was da genau alles an Daten drin stehen soll, damit der proof of residence auch korrekt sei. Gang Nummer drei, wieder zum Institutschef. Dieser eröffnet mir nun, dass diese residence proofs eigentlich offiziell von der Unileitung ausgestellt werden, weil ja meistens die Lehrer direkt vom DAAD kommen und das dann ja alles ganz anders sei. Als ich erklärte, dass ich den proof of residence ganz einfach nur für den Vodafoneshop bräuchte, nicht für irgendwelche Behörden (wie er dachte), sah die Sache für ihn, also den Institutschef schon gleich ganz anders aus. Auf einmal war alles kein Problem. Der Sekretär hatte sich noch ein bisschen, kam nicht dazu, seine bedenken vorzutragen, weil der nächste Gast im Zimmer des Institutschefs stand und stellte dann pflichtbewusst einen proof of residence aus: Einen einfachen Dreizeiler, den ich als Hilfskraft in 1 Minute fertig habe.

Oder der Weg zum heimischen Internet. Gang 1: In den Laden gehen und den USB-Stick kaufen. Gang 2: Zwei Tage später wieder in den Laden gehen und gesagt bekommen, das Internet ginge nicht, weil das Guthaben nicht gebucht sei. Gang 3: Zum zugesagten Termin geht bei mir immer noch nichts, bei der Mitbewohnerin schon (Kauf zur selben Stunde, 1. Beschwerde bei Gang 2 in einem Telefonat abgewickelt, aber 2 getrennte complaint numbers bekommen…). Also wieder in den Laden. Alles vortragen. Ein wissendes Lächeln der costumer care-Mitarbeiterin bekommen. Sie hören das hier ständig. Sie haben mittlerweile Übung darin, dem backoffice die Hölle heiß zu machen. Ein Tag später habe ich eine lebenslange Laufzeit auf meinen Prepaid-Internetzugang und das Guthaben wurde gebucht.

Unser Herd. In kleiner Plauderei mit dem Institutschef stellt sich heraus, dass wir in unserer Wohnung eigentlich eine Kochplatte haben müssten. Die war in den vorigen Jahren immer da. Schritt 1: Institutschef spricht mit entsprechender Abteilung der Univerwaltung. Telefonat zum Druck machen. Brief, damit es offiziell ist und abgeheftet werden kann. Die Zusage kommt. Schritt 2: Meine Mitbewohnerin und zugleich offizielle Bewohnerin unseres Appartements soll beim Gas- und Kochplattenlieferant der Uni im benachbarten Viertel vorbeigehen und den Erhalt der Platte klären. Jedoch, oh Schreck, das entsprechende Formular hat sie nicht dabei. Überhaupt erfährt sie hier zum ersten Mal von diesem überaus wichtigen Formular, ohne das gar nichts geht. Also wieder nach Hause. Nächsten Dienstag! Schritt 3: Nächster Dienstag. Das Formular ist da. Der Erhalt geregelt. Immerhin musste sie hierbei kein Foto einreichen.

Das muss man hier nämlich bei allen Telefongeschichten machen. Nein, die einfache Kopie des Reisepasses genügt nicht. Als die Mitbewohnerin dies den Internetverkäufer fragte, sah er so verwirrt aus, als hätte er die Frage das erste Mal in seinem Leben gehört. Ja, Vodafone und Reliance haben jetzt auch ein Foto von mir. Biometrisch akzeptabel. Bin ich diese Verbrecherfotos wenigstens auch mal los…

7. August 2009
by miss sophie
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Indien, die ersten Tage.

Eigentlich sind es schon zweieinhalb Wochen. Zweieinhalb Wochen, in denen viel passiert ist. Hier, aber auch in Berlin. Vieles davon hat hier nicht seinen Ort. Sobald meine Gedanken wieder frei sind, habe ich einiges zu berichten.

Und bis dahin könnt ihr mit mir zusammen die Aussicht von unserem Balkon genießen.
aussicht-balkon

17. July 2009
by miss sophie
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Jeriko sucht die ganz besonderen Blogposts.

Ihr habt doch bestimmt diesen einen (deutschsprachigen) Beitrag, den ihr seit Jahren im Kopf behalten habt, weil ihr ihn so unglaublich toll fandet. Sei es, weil er eine schöne Geschichte erzählt, weil er einen großen Scoop enthüllt hat, weil er witzig ist, weil er euch berührt hat, weil er mit tollen Bildern gespickt ist, weil er weiterempfohlen werden muss, weil ihr einfach denkt, dass genau dieser Beitrag unbedingt gedruckt werden muss. Lang, kurz, völlig egal, manchmal reichen schon ein paar Sätze, um die entsprechende Wirkung zu erzielen.

Eine Anthologie mit dem Potenzial, ein buntes Potpourri aus witzigen, ergreifenden, wütend machenden oder einfach nur wunderschönen Posts zu werden. Sowas in der Art plant der Jeriko. Am liebsten gedruckt. Zur Not als pdf. In jedem Fall aber so aufbereitet, dass jeder Artikel seine ganz eigene Würdigung erhält.

Ich bin dann mal stöbern…

8. July 2009
by miss sophie
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böärks.

heillos überfordert sein mit zu viel arbeit fertig machen müssen, diese arbeit dann auch noch sinnvoll an andere übergeben, zum tschüss sagen durch die republik fahren, menschen aus indien schonmal hier in berlin treffen, mit diesen menschen einen teil der zuvielen arbeit fertig machen, seminare und nen workshop in indien vorbereiten.

und dann fangen diese parktrottel wieder an, mitten in der nacht quer über den platz zu schreien…

7. July 2009
by miss sophie
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Aus der Sicht eines Piraten.

Lars von spitblog hat gestern und heute einiges zum Thema Thiesen geschrieben (Blog 1, Blog 2, in den Kommentaren bei Jeriko). Das Bemerkenswerte? Die Sachlichkeit und Ruhe, mit der er als Parteimitglied sich dem Sachverhalt nähert. Im Verlauf der Zeit ist da eine Entwicklung sichtbar, die – gemessen am jeweiligen Informationsstand – dennoch immer demokratische und rechtsstaatliche Grundprinzipien berücksichtigt.

Wenn sich dann bitte mal alle Politiker, Traditionsmedien und Blogger in diesem Land ein Beispiel daran nehmen könnten.
kthxby.

7. July 2009
by miss sophie
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Erstaunt. Erschrocken. Erschüttert.

Gestern sprang das Thema Thiesen und seine Holocaust-Äußerungen und Meinungsfreiheit durchs Netz. Ich las schon im Vorfeld des Piratenparteitages von Thiesens Äußerung und dann auch seine Stellungnahme im Piratenwiki. Gestern schwappten aufgrund viel Arbeit meinerseits nur ein paar Reaktionen zu mir herüber. Und die haben mich, gelinde gesagt, erschüttert.

Am krassesten fand ich Argumentation (bei mspro in den Kommentaren durchdiskutiert): Wer gegen die Zensursula-Pläne gekämpft hat, der darf jetzt konsequenterweise nichts gegen Äußerungen sagen, die den Holocaust relativieren/leugnen, weil es geht ja in beiden Fällen um die Erhaltung der Meinungsfreiheit. Bitte? Geht’s noch? Zu sagen, Meinungsfreiheit gelte absolut, hieße Kinderpornographie de facto zu legalisieren. Denn da schwingt mit, alles im Raum stehenzulassen, was irgendjemand irgendwo und in irgendeinem Medium äußert. Und darum ging es mitnichten. Es ging und geht bei der Zensursula-Debatte um einen Weg der transparenten und rechtsstaatlichen Auseinandersetzung mit strafrechtlich relevanten Inhalten, was eben nicht von einer kleinen Elite hinter verschlossenen Türen, verborgen vor den prüfenden Augen und Köpfen der Öffentlichkeit, stattfinden darf.

Und genau das ist auch hier wieder des Pudels Kern. Wie geht eine Gemeinschaft mit Äußerungen und Denkweise Einzelner bzw. quantitativ kleinerer Gruppen um, die den diskursiv dominanten Überzeugungen und Einstellungen widersprechen. Es geht immer wieder um die Frage, wie frei ist frei und wo liegen die Grenzen des Einzelnen in seiner Gemeinschaft. Und es ist gut, dass diese Frage immer wieder aufgerufen und somit von jedem von uns immer wieder durchdacht und bewusst gehalten wird.

Thiesen selbst scheint nach wie vor der Überzeugung zu sein, dass das mit dem Vergasen (Stellungnahme, Pkt. 4), also dem konkreten Wie der Tötungen, eine nicht ganz so gesicherte Tatsache sei, wie es unsere Geschichtsbücher, die Videos und Beschreibungen der Befreier, die Berichte der Überlebenden, die Dokumente und Überreste der Konzentrations- und Vernichtungslager darstellen. Trotz der explizit von ihm befürworteten Bemühungen, ein solches System nie wieder zu ermöglichen, ist das in meinen Augen eine Relativierung der Geschehnisse zwischen 1933 und 1945. Und das Argument, dass die Emotionalisierung des Holocaust-Themas gerne eingegesetzt wird, Kritik gegen aktuelle parallele Tendenzen niederzubügeln, stimmt zwar, darf aber mitnichten dazu führen, den Holocaust selbst zu relativieren – egal wie stark die Terminologie auch emotional konnotiert ist. Das ist nebenbei auch strategisch (d.h. in der Auseinandersetzung mit der aktuellen Politik) extrem kontraproduktiv und spielt denen in die Hände, gegen die man kämpft.

Und zu behaupten, man können hier persönliche Meinung und Parteimeinung strikt trennen, ist naiv und allerhöchsten gut gemeint. Und wir alle wissen, wovon gut gemeint das Gegenteil ist. Nicht der sich Äußernde entscheidet, ob die Trennung möglich ist. Das entscheiden immer die anderen und der Diskurs, der sich rund um eine solche Frage entfaltet. In diesem, wie in vielen anderen Fällen, führte der Diskurs dazu, dass der Parteivorstand die persönliche Meinung nicht getrennt von Auswirkungen auf die Parteiarbeit betrachtet.

Und noch was am Rande. Thiesen schreibt in Punkt 2 seiner Stellungnahme zu Demos gegen die NPD: “ebenso empfinde ich es auch nicht als sinnvoll, große Gegendemonstrationen gegen die NPD zu veranstalten. […] Man kann gerne gegen politische Meinungen Demonstrieren, aber doch bitte nicht gegen Parteien selbst.” Das ist einfach nur dumm und es widerspricht dem, was Thiesen gleichzeitig befürwortet, nämlich Meinungsvielfalt. Wenn ich gegen eine Partei demonstriere, demonstriere ich damit logischerweise auch gegen eine politische Meinung. Was sonst vertritt denn bitte eine Partei? Und die Präsenz von Demo und Gegendemo bringt Meinungsvielfalt immer noch am allerbesten zum Ausdruck.

Das sind mehr so ein paar Aspekte. Das alles wird mir grade zu komplex, als dass ich hier irgendwas Rundes schreiben könnte. Da wäre ja auch noch der innerparteiliche Umgang in 2008 und jetzt vor und während des Bundesparteitages, der heftig kritisiert wurde. War die Abmahnung in 2008 ausreichend? Hätte vor dem Parteitag nochmals eine Problematisierung stattfinden müssen? Gerade auch im Kontext der Seipenbusch-Äußerung? Hätte jeder Einzelne, auch außerhalb der Partei, schon vor dem gestrigen Tag seine Empörung stärker zum Ausdruck bringen müssen? Ich z.B. habe schon irgendwann letzte oder vorletzte Woche Thiesens Stellungnahme gelesen. Aber da war keine innerliche Reaktion, die mich zu einem Post wie diesem angeregt hätte. Was sagt das über mich (und jeden anderen, der die Stellungnahme vorher gelesen hatte, aber erst gestern in die Diskussion einstieg bzw. eingehender darüber nachdachte) aus?

18. June 2009
by miss sophie
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Am 21.7., 6:05 Uhr, wird es passieren.

Ich werde das erste Mal Europa verlassen. Ich werde das erste Mal länger als 3 Stunden in einem Flugzeug sitzen. Ich werde das erste Mal vor Menschen stehen und ihnen Unterricht geben. Ich werde das erste Mal in einer mir ungewohnten Stadt leben und mich dort zurechtfinden müssen. Ich werde das erste Mal wirklich verhandeln müssen. Ich werde ob meiner Hautfarbe angestarrt und ungeniert photographiert werden. Ich werde eine Gesellschaft voller Gegensätze und Widersprüche kennenlernen.

“Unity in Diversity”. Das ist das Motto, das Indien sich gegeben hat. Aus gutem Grund. “das Indien” kann man eigentlich gar nicht sagen. Was immer man über Indien sagt, auch das Gegenteil ist wahr. So sagt das meine Chefin immer gerne. Und wenn man sich erstmal damit angefreundet hat, dem konsistenten, logischen Denken adé zu sagen, dann ist das auch alles nur noch halb so verwirrend. Hoffe ich.

Im Moment setzt bei mir die Panik ein. In den letzten Wochen war ich einfach nur euphorisch. Sämtliche “OMG, warum hab ich nur zugesagt” meiner Mitreisenden wurden von mir mit einem “WOAH, das wird einfach nur geil” entgegnet. Damit ist jetzt endlich mal gut. Jetzt ist auch bei mir die Zeit des “ZOMG!” angebrochen. Obwohl… näh, das wird total geil werden.

5 Monate werde ich also weg sein. Mindestens 4 davon in Delhi, der Rest ergibt sich.

18. June 2009
by miss sophie
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Indien.

Von diesem Land wusste ich ja nie sonderlich viel.

Die Sache mit den Kasten und davon auch nur, dass man da reingeboren wird und dann nicht wieder rauskommt bzw. wenn, dann nur im nächsten Leben. Und dann wusste ich noch, dass die Kasten ein Gesellschaftsordnungsprinzip sind, hierarchisch auf jeden Fall. – Der Teil mit dem Reingeboren werden stimmt schon immer noch. Gesellschaftsordnung: ja, hierarchisch: jain. Eine Kaste hat eine bestimmte Aufgabe in der Gesellschaft, sei dies eine Tätigkeit in einem religiösen Ritual, sei es eine kaufmännische oder soziale Rolle. Ich stell mir das immer wie eine große 3D-Kugel vor. Die meisten sind gleichwertig auf demselben Level, aber haben dann doch ein höheres oder niedrigeres Ansehen.

Der Ganges, alte Männer in Leinenhosen. Die Bilder hinterlegt von dokumentations- und landestypischen religiösen Gesängen. (Man könnte auch mal die Ästhetik der Dokumentarfilmer und Feature-Macher untersuchen. Die Semiotik dessen, was sie als Athmo bezeichnen.) – Keine Ahnung. Kann ich nicht viel zu sagen. Ilija Trojanow hat auf einer seiner Reisen einen Umweltaktivisten begleitet. Sie sind in die kleinen Fabriken gegangen, die ihre vergifteten Abflüsse auch nach dem offiziellen Verbot noch in den Ganges leiten. Dazwischen erzählt er von Menschen, die im Ganges baden. Menschen, die auf Boten unterwegs sind. Menschen, die am Ufer ihre Wäsche waschen. Mal sehen. An der nächst gelegenen Stelle ist der Ganges 100km von New Delhi entfernt. Da wird sicher ein Besuch abfallen.

Bollywood. Kitsch und Traumkino. Unterhaltung pur. Selbst die für einige Ecken auch heute sicher noch empörende Haltung zur Liebesheirat ist in der schieren Masse an Unterhaltungsfilmen zum katachretischen Topos verkommen. – Spannend wird es sein, die Menschen in ihrem Filmkonsum zu beobachten. Die Bollywoodfilme selber sind für mich nichts anderes als diese prosiebenundsateinsliebesschmonzetten. Ein bisschen “Hu!”, ein bisschen “Ha?”, ein bisschen seufz und schmachtz zum Ende hin. Interessanter sind da schon die kleinen Produktionen. Es gibt wohl mittlerweile eine recht beständige Gemeinde an Filmemachern, die Geschichten jenseits der Findung der großen Liebe erzählen.

Und sonst? Das Essen. Ich habe hier in Berlin einmal richtig gut indisch gegessen. Es war krass scharf, aber ich habe jedes Gemüse einzeln herausgeschmeckt. Eine perfekte Mischung. Alles andere hätte ich mir im Grunde so auch zu Hause kochen können. Asiatische Einwanderer würzen im Restaurant ja gerne mal für den europäischen Gaumen. – Das wird in Indien komplett anders sein. Mir wurde bereits verraten, dass ich Großes erwarten darf.

Dann sind da noch ein paar patriarchale Familienstrukturen in meinem Kopf. Viel Religion, auch im Alltag und so. Natur. Kriechgetier, mit wenigen und mit vielen Beinchen.

Und das alles ist nur das, was mir grad so in den Kopf kam.