die katrin

my photography & other stuff

4. October 2009
by miss sophie
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Generationenkonflikt in Indien

Not only to make more schools and colleges, but also because most Indian problems are linked to lack of money. Yet, it is considered un-Indian to think that way. The young generation, which thinks like that, is considered materialistic and greedy. The older generation takes the moral high ground – slowness in work is termed patience, non-stop discussion and no action is called careful consideration and lack of improvement in standards of living is countered with claims about the need to live with austerity. […] Our enemy is the old school of thought, or rather the people who defend the old school of thought. They do this in the name of antique Indian policies, culture and values. […] But they won’t, for they are in power. And to defend themselves and their ways, they don’t mind crushing the aspirations, ideas and talent of an entire generation.

Chetan Bhagat: Letter to Bapu from Generation Next

Bhagat spricht in seiner dieswöchigen Kolumne über das Granit, auf das die junge Generation beißt, wenn sie auf ein fortschirttlicheres Land hofft. Dass es den indischen Jungen Wilden ähnlich geht wie uns, ist erstmal reichlich deprimierend. Aber in einer anderen Hinsicht ist die Kolumne sehr erhellend.

Ich betrachte all die Dinge in diesem Land mit meiner Deutschlandbrille. Das bedeutet, ich rege mich über die Arroganz der hohen Klassen (Kasten) gegenüber den niedrigen Klassen auf. Das bedeutet, ich verstehe nicht, wie eine Familie jahrelang den Freund ihrer Tochter ablehnt und sie so lange bearbeitet, bis sie ihn kurz vor der geplanten Hochzeit verlässt. Das bedeutet, ich finde es unfassbar, mit welchem Machoismus Männer hier Frauen behandeln.

Und dann stehe ich hier und frage, mich, wie berechtigt all das ist. Ich als Ausländer, der die Religion und Kultur kaum kennt. Mit welchem Recht darf ich meine Ansichten äußern? Und in welcher Art und Weise. Klar, die eigene Ansicht, als solche explizit herausgestellt, geht immer. Aber laut aussprechen? Vielleicht noch als offenen Vorwurf, als handfeste Kritik?

Und dann lese ich Texte wie die Kolumne von Chetan Bhagat. Denke an die Verfassung, die das Kastensystem aufhebt. Denke an die Bollywoodfilme, die am Ende des Tages nur ein Plädoyer dafür sind, dass die Kinder selbst entscheiden können, mit welchem Partner sie ihr Leben verbringen wollen. Denke an die Unberührbaren, die die Sache mit dem Karma keineswegs so nachvollziehbar finden wie diejenigen, die es sich in den hohen Klassen gutgehen lassen. Ich sehe immer wieder, dass jede vermeintlich westliche Ansicht auch in Indien einen Denker hat. Das beruhigt ein bisschen, denn eine Religion für ihre Diskriminierung und Unterdrückung zu verdammen, macht man jetzt auch nicht jeden Tag.

3. October 2009
by miss sophie
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!

Ich stehe auf x. Ich will zu z. Ich gehe zu y. Viel zu oft.

Zeit, das z zu entdecken.

3. October 2009
by miss sophie
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miss sophie geht sich die Haare färben

An der Tür hängt ein simpler DIN-A4-Zettel: “PLEASE KEEP SILENT” Ohne Ausrufezeichen. Schwarz auf weiß.

Ich betrete den Laden. Ein Tresen, ein dunkles Sofaleder, weiße Fliesenwände, eine Tür nach hinten und eine Treppe nach oben. Alles sehr dezent. Alles eher schick.
“Hi, I want my hair colored.” (Das mühsam erlernte british english leidet hier im Übrigen sehr schnell.) Wir gehen nach oben. Der erste Schwall Haarfärbemittel weht mir entgegen. Der zweite drängelt hinterher. Aha! Ich habe das Epizentrum der süddelhiitischen Haarprachtveredelung erreicht. Schwall Nummer drei erobert die Nase.
Mein Blick streift über die Köpfe der Damen. Pinselbehaftete Hände wedeln dazwischen. Vereinzelt ist auch eine Schere zu sehen. Der Raum ist in lila gehalten. Ich muss an Kinderläden in Mitte und Prenzlberg denken. Auf vielleicht 3×7 Meter finden sich 17 Stühle, 17 Kundinnen, geschätzte 30 Friseure und vielleicht 2 Friseusen. Ich dränge mich zu meinem Stuhl, setze mich, lasse den Blick schweifen. Nach 3-5 ausgetauschten Blicken mit den Nachbarinnen ist das erste, zarte Lächeln drin. Ja, so ist das hier. Dagegen sind die Norddeutschen reinste Leutseligkeit. Und dann fällt mir eines auf. Die Ruhe.
40 Menschen auf 20 Quadratmetern. An jedem anderen Ort wäre die Hölle los. Ich bin begeistert. Und fasziniert. Mein Blick fällt auf den Zettel an der Tür: “PLEASE KEEP SILENT” Ich bin noch viel überraschter, dass sich hier auch jeder dran hält. Keineswegs selbstverständlich, sind doch die Inder (bzw. die Delhiiten, viel mehr kenn’ ich ja bislang nicht) die Könige des “Regeln sind zum Brechen da”. Vielleicht ist der Friseurladen aber auch der Ort, an dem die Inderin besinnlich wird. Ich sehe kaum Freundinnen miteinander quatschen. Etwas, das sonst immer und überall passiert – in größter Ausgelassenheit und Lautstärke. Aber hier, hier sind sie ruhig. Aber wer weiß schon so genau, was da in diesen Haarfärbemitteln drin ist…

2. October 2009
by miss sophie
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Die Franzosen.

Gestern stand ich mit einer Nordinderin, einem Menschen aus Bombay und einer Deutschen in einer Runde. Sie alle hassten Franzosen. Und kamen aus dem Geschichtenerzählen gar nicht wieder raus.

30. September 2009
by miss sophie
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WTF!?!!

Der geneigte durch-Indien-Reisende kann hier seine Zugtickets auch online buchen. So weit, so gut. Für Menschen, die ein indisches Konto oder eine von einer indischen Bank ausgestellten Kreditkarte haben, ist das auch nicht weiter problematisch. Sogar Menschen mit einer Kreditkarte aus einem anderen asiatischen Land haben Chancen auf die Onlinebuchung. Kommt man aus dem Rest der Welt und will irgendwas auf eigene Faust im Netz buchen, hat man einfach Pech.

Hintergrund: Die Reserve Bank of India hat für alle indischen Unternehmen verfügt, dass Onlinezahlungen nur noch mit verifizierten Kreditkarten durchgeführt werden dürfen. Wegen Missbrauch und so. In einer der unzähligen Zahlungsvarianten kann man seine Kreditkarte dann sogar bei VISA ASIA verifizieren. Für alle anderen sieht’s schlecht aus. Die dürfen sich dann am Schalter anstellen oder zu einer der unzähligen travel agencys wandern.

Das heißt übrigens auch, dass man bei Air India Kreditkartenzahlungen nur mit verifizierter Karte durchführen kann. Na wer’s sich leisten kann… (Air India wohl kaum. Die werden grade kräftig vom Staat subventioniert, weil sie eigentlich pleite sind.)

30. September 2009
by miss sophie
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The lovely, the ugly and the trains.

Fangen wir mit dem Hässlichen an. Agra. Die Stadt mit dem Taj Mahal. Es lohnt den Gedanken daran nicht. Das Taj Mahal ist genau wie auf den Bildern. Das Schönste daran war der Blick über den Yamuna Fluss auf die andere Uferseite, wo des Morgens die Menschen ihrem Bad nachgehen. Sonst nur der ständige Versuch der Abzocke und nichtvorhandener Respekt gegenüber Touristen.

Jaipur. Jaipur war einfach lovely. Natürlich gibt es auch hier die “Ma’am, kaufen Sie, kaufen Sie”-Aufdiepellerücker. Aber sie waren in der Minderheit. Ansonsten viel Altstadt, viel Alltagsleben, wie immer viel Sonne und – das überhaupt erste Mal seit meiner Ankunft in Indien – viel Sonnenbrand.
Jaipur Nehru Bazaar

Aus Jaipur hab ich dann auch ‘nen Geheimtipp mitgebracht. Jaha, grade mal 2 Monate im Land und schon den ersten Insidertipp gefunden. Schafft man so auch nicht auf jeder Reise. Das Hotel “Baba Haveli” ist es. Nach dem aussagelosen bis ärgerlichen Agra war die Zeit hier Erholung im Schnelldurchlauf. Farbenfrohe Antiquitäten und ein Hotelrestaurant auf dem Dach. Da das Hotel erst seit einem Jahr geöffnet hat und dazu grade Nebensaison ist, waren wir die einzigen Gäste und hatten somit die volle Aufmerksamkeit von Vijay, dem Eigentümer. Sein erklärtes Ziel: jeden Gast so behandeln als wären sie die einzigen. Ich drücke ihm die Daumen, dass er auch bei voller Hütte dabei bleiben kann.
jaipur01
jaipur06
(Mehr Fotos von den Zimmern gibt es auch auf dem Blog.)

Der Hammer überhaupt waren aber die Zugfahrten, genauer die Verköstigung währenddessen. Morning Tea, Frühstück und Abendessen mit Evening Tea, alles inklusive.
trainmeals
Und von der Qualität des Essens kann sich jede Fuggesellschaft mal ein dicke Scheibe abschneiden.

21. September 2009
by miss sophie
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Diese Stadt hat keine Seele.

Bislang kannte ich Städte ohne Seele nur aus Stereotypen. Einmal bin ich durch eine durchgelaufen. Waren an der Müritz. Die Altstadt wurde irgendwann zwischen 1990 und 2001 saniert. Dabei hat die Stadt ihr Gesicht verloren. Die Häuser sahen genauso aus, wie die Häuser anderer sanierter Altstädte. Keine Besonderheiten. Nichts. Das Nichts in Pastellrosa getaucht.

In Delhi gibt es schon ein paar Besonderheiten. Monumente, Festungen, solche Scherze. 4.000 Jahre ständige Belagerung und Eroberung durch neue Völker haben ihre Spuren hinterlassen.

New Delhi wurde in den 1920er Jahren erbaut. Es ist eine Reißbrettstadt, entworfen von einem Architekten. Breite Straßen und viel Grün am Rande dieser Straßen. Die vielen Bäume sind schön. Darunter gibt es noch ein bisschen mehr grün. Diesmal sind es die Zäune der Villen. Dann ein Streifen Mauer aus rotem Sandstein. Manchmal sieht man die Dächer. Dann ein paar große Hotels und das Parlamentsgebäude. Das war’s. Mehr gibt es in New Delhi nicht zu bestaunen. Das gemeine Fußvolk lebt in Wohnsiedlungen, die meist auch wirklich reine Wohnsiedlungen sind. Der Markt ist am Rande einer solchen Siedlung. Dort gibt es dann auch mal ein Café. Kneipen und Restaurants ergeht es nicht anders. Man trifft sich dann in einer Mall oder in einem Market.

Wenn man dann doch mal irgendwo nett unterkommt, dann stichelt der berlingewohnte Schlonzfanatiker in mir gleich wieder los. Alles aalglatt, wie in Mitte oder am Savignyplatz. Das Problem: Die Menschen haben keine Tradition des Ausgehens. Und diejenigen, die jetzt gehäuft ausgehen, haben Geld. Diejenigen, die Geld haben, müssen das auch zeigen. Also ist alles neureich und mit der Seele des Geldes gepflastert.

Klargeworden ist mir das, als ich das erste Mal durch Old Delhi geschlendert bin. Old Delhi ist klein, eng und zum Teil sehr stickig. Viele Menschen, viele Motorräder, viele Fahrradrikshaws, viel von allem. Aber keine Hektik und keine Aggression. Gibt es einen Stau, warten alle geduldig. Kein Vordrängeln und das Hupen hält sich in Grenzen. Die Häuser sind klein, aber keine schnell hochgezogenen, gleich oder teuer aussehenden Kaninchenställe. Alles ist hier organisch gewachsen. Die Menschen verbringen ihren Tag mit mehr als purem Geldverdienen.

21. September 2009
by miss sophie
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Die kleine, gelbe Ente

Die Ente, die traurig dem Wasser hinterher schaut, wie es in den Abfluss fließt. Die Spaghetti, die nicht vom Wasser weg wollen. Die Ente mit dem Loch-Ness-Strohhalm. Einfach großartig!

Alle Kampagnen der Berliner Wasserbetriebe gibt’s hier.

21. September 2009
by miss sophie
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In Delhi ist’s jetzt ist wie in Berlin in einem guten Sommer.

Erinnert ihr euch noch an eure Kindheit? In den Sommerferien? Früh aufstehen. Mama und Papa haben sich grade auf den Weg zur Arbeit gemacht. Der prüfende Blick aus dem Fenster. Ja! Die Sonne scheint wieder. Und wieder kein Wölkchen am Himmel. Schnell den Badeanzug drunter ziehen und raus. Draußen die Freunde vom Nachbarhaus zusammentrommeln und dann ab an den See. Es ist noch nicht heiß. Es ist vielleicht halb acht. Aber die Hitze wartet nur darauf, über den Baumkronen hervorzuschießen. Gut so. Nachher wieder ein Eis dazu. Jetzt noch die Kühle zwischen den Nadelbäumen genießen. Ein bisschen im Wald rumkraxeln. Ein bisschen baden gehen. All das, solange es morgens noch leer ist.

20. September 2009
by miss sophie
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Gerade musste ich die böse Lehrerin spielen.

Heute ist Sonntag. Am Dienstag schreibe ich einen Test. Morgen ist hier Feiertag und der gewohnte Unterricht fällt aus.
Heute erhielt ich eine Email von einer Studentin, die erst später an die Uni kam. Nachrückverfahren können hier in Delhi manchmal sehr lange dauern. Besagte Studentin also verpasste die ersten Wochen. Und original jetzt, nach 5 Wochen, 2 Tage vor dem Test, schreibt sie mir eine Email, ob ich ihr nicht sagen könne, was in den ersten 3 Wochen passiert ist.
Hatte sie damals alle Handouts bekommen? Ja.
Hat sie Kontakt zu den anderen Studierenden aufbauen können? Ja.
Hat sie Internet zu Hause und kann zur Not dort recherchieren? Ja.
Hat sie ihren optional course ein einziges Mal sausen lassen, um am Freitag in meine Sprechstunde zu kommen? Nein.

Es ist echt unfassbar. Reiche ihnen den kleinen Finger und sie versuchen, die gesamte Hand zu erwischen. Es sind wirklich Kinder und das hier ist Schule. Dahinter stecken viele Gründe. Das indische Schulsystem ist eine Katastrophe. Die guten Studenten sind diejenigen, die das Glück hatten, auf einer guten Schule zu sein. Und mit “gut” meine ich, dass die Schüler an selbständiges Arbeiten gewöhnt werden. Dass sie Texte lesen und auch verstehen können. Dass sie in der Lage sind, einen Kontext zu erfassen. Alles, was für einen deutschen Studenten als selbstverständlich gilt.
Das gilt nicht für die staatlichen Schulen. Mathematik und Naturwissenschaften stehen im Fokus. Wenn Schüler einen Test nicht bestehen, dann ist einzig und allein der Lehrer schuld. Er/sie hätte besser unterrichten müssen. Lehrer ebenso wie Hochschuldozenten verdienen wenig und sind allgemein eher gering anerkannt. Die meisten Schüler und Studenten wollen einfach nur einen Job, in dem sie gutes Geld verdienen. Eigenständigkeit? Selbstverantwortung? Selber denken? No way. Das müssen die hier an der Uni erst lernen.

Und das heißt für mich also, dass ich hier die böse Lehrerin spielen darf. Und es kotzt mich einfach nur an.